Samstag, 18. Juli 2026

Das Zitat stammt aus dem Jahr 2015. Es erschien damals in einem Beitrag für das Männermagazin GQ, als Jens Spahn gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war. Das Zitat fällt ihm natürlich jetzt voll auf die Füße. Hätte er die Weitsicht gehabt, zunächst auf sein eigene Situation zu schauen, und hätte er sich – im Wissen um die eigene prekäre Lage, was das Kinderkriegen angeht – entsprechend zurückhaltend geäußert und eben dann auch konsequent gegen das Verbot von Leihmutterschaft gestimmt, wäre die Welt in Ordnung. Zum obigen Zitat kommt ein zweites Zitat aus dem gleichen Interview hinzu:
„Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“
Falls meine Analysefähigkeiten nicht irren, relativiert das zweite Zitat das erste Zitat. So weit mir bekannt, gibt es gesetzlich kein Recht auf ein Kind. Niemand kann darauf pochen, ein Kind zu bekommen. Aber Geld zu besitzen, bedeutet offensichtlich, sich die gewünschten Rechte zu verschaffen.
Dem Tsunami, dem sich Jens Spahn im Moment ausgesetzt sieht, konnte nicht standhalten. Das Ende als Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU war unausweichlich. Ich wünschte, ich fände in seinem Sinne irgendeine relativierende Erklärung. Aber da ist nichts.
Früher hätte eine solche Geschichte das komplette Ende seiner Polit-Karriere bedeutet. Nur tritt heute niemand mehr zurück. Die Bundestagsverwaltung muss ihn quasi aus dem Reichstagsgebäude hinaustragen. Von alleine gehen sie nicht. Oder in dem Fall doch? Als Fraktionsvorsitzender ist Spahn jetzt zurückgetreten. Als Bundestagsabgeordneter macht er 100%ig weiter. Leicht verdientes Geld. Leicht erworbene Pensionen.
„Am Ende kann nur die Fraktion entscheiden.“
Eben nicht nicht, Herr Spahn. Sie konnten es ganz allein entscheiden. Es brauchte nur den Funken an Realititätssinn, um zu erkennen, dass der CDU/CSU-Fraktionsvorsitz futsch ist. Auch der Platz im CDU-Bundesvorstand wackelt meines Erachtens erheblich. Um seinen Vorsitz der Deutschen Gruppe bei der von David Rockefeller 1973 Trilateralen Kommission kümmern wir uns später. Denn was sich da so lese, gefällt mir nicht unbedingt.
„Der liebe Gott freut sich über jedes neue Kind.“
Spahns Ehemann hatte noch versucht, mit einem Zitat von Franz Beckenbauer (Stichwort: Weihnachtsfeier) die Sache aus der Welt zu schaffen. Was dem großen Franz Beckenbauer damals noch gelang, war in diesem Fall aber ausgeschlossen. Deutschland ist sich ausnahmsweise einmal einig. Ein paar enge Parteifreunde und einige Politiker von der CSU halten sich bei der Bewertung bedeckt. Aber das ist eben auch alles andere als eine Unterstützung.
Was Jens Spahn selbst dazu sagt
Jens Spahn hatte sich inzwischen erstmals geäußert. Er erklärte, er habe lange mit dem Thema Leihmutterschaft gerungen. Die Entscheidung für die USA begründet sein Umfeld mit den dortigen rechtlichen Rahmenbedingungen: Leihmütter müssten finanziell unabhängig sein, bereits eigene Kinder haben und in geordneten Familienverhältnissen leben. Politische Konsequenzen will Spahn daraus ausdrücklich nicht ziehen. Er halte weiterhin am Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland fest.
Genau an diesem Punkt entzündet sich jedoch die Kritik. Denn die eigentliche Frage lautet nicht, ob Spahn Vater werden durfte. Die Frage lautet, warum ein Spitzenpolitiker für sich selbst einen Weg wählt, den er Millionen anderen Menschen in Deutschland politisch weiterhin verschließen möchte. Diese Erklärung bleibt er der Öffentlichkeit bislang schuldig. Er hätte zumindest das Gesetz relativieren müssen. Er hätte sagen müssen, dass er sich geirrt hat.r
Aus meiner Sicht gehört eine weltweit gleiche Regelung her. Mit den USA wird das nicht gelingen. Aber mit „Einsatzländern“ wie Argentinien, Georgien, Albanien, Kanada, Spanien, Zypern, Tschechien und der Ukraine kann man sicherlich mal ein ernstes Wort sprechen. Dann gräbt man auch Agenturen wie Mahrta das Wasser ab, über die die ARD in 10/2025 berichtet hatte.
Und man erzähle mir bitte nichts von altruistischen Modellen, über die man ja vielleicht reden könne. Das wäre alles nur ein Deckmäntelchen für die Kommerzialisierung. Es gibt um Geld. Immer. Ausschließlich.
Ganz schwer im Magen liegt die Tatsache, dass es am 21.02.2026 bei einem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart eine Abstimmung der Delegierten mit einer klaren Mehrheit dafür gab, selbst altruistische Leihmutterschaften weiterhin abzulehnen.
Jens Spahn nahm am CDU-Bundesparteitag teil, auf dem die Delegierten beschlossen, das Verbot der Leihmutterschaft beizubehalten. Wie Spahn persönlich abgestimmt hat, ist nicht öffentlich bekannt. Aber diese eigene Leihmutterschaft hätte Spahn auf diesem Parteitag öffentlich machen müssen. Spahn hielt auf dem Parteitag zwar eine Grundsatzrede, äußerte sich dabei jedoch nicht zur Leihmutterschaft. Dabei wäre sein eigenes Lebensmodell prädestiniert dafür gewesen, ihn auf dem Parteitag nach seiner Meinung zu fragen. Spätestens dann hätte er Farbe bekennen müssen.
Denn da war Spahns Leihmutter schon ungefähr im vierten Monat schwanger. Es ist auch überhaupt kein Argument zu sagen, dass die Zutaten für diese Schwangerschaft nicht von Spahn kamen, sondern von seinem Ehemann.
Das untere Video finde ich nicht schlecht:
https://twitter.com/BB12_DE/status/2078057124996043110/video/1
Donnerstag, 16. Juli 2026
Jens Spahn ist Vater geworden. Gratulation. Ein Kind ist ein Geschenk, unabhängig davon, wie eine Familie aussieht. Die eigentliche politische Debatte beginnt an einer anderen Stelle. Der CDU-Fraktionschef und sein Ehemann haben ihren Sohn mithilfe einer Leihmutter in den USA bekommen. Genau diese Form der Familiengründung ist in Deutschland verboten. Nicht nur das: Jens Spahn selbst hatte sich als Bundesgesundheitsminister ausdrücklich gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. Auch die CDU bekräftigte erst in diesem Jahr ihren Parteitagsbeschluss, Leihmutterschaft – selbst in altruistischen Modellen – weiterhin abzulehnen.
Doppelmoral bei der Arbeit
Politisch lautet die Botschaft: Dieses Modell soll es in Deutschland nicht geben. Privat lautet die Botschaft: Wenn man es sich leisten kann, fährt man eben in die USA. Dort ist kommerzielle Leihmutterschaft – je nach Bundesstaat – legal. Der gesamte Prozess ist allerdings alles andere als günstig. Je nach Agentur, medizinischem Aufwand und juristischer Begleitung liegen die Gesamtkosten häufig zwischen 140.000 und 200.000 US-Dollar. Darin enthalten sind unter anderem medizinische Behandlungen, die Befruchtung im Reagenzglas, die Rechtsberatung, Versicherungen, Agenturhonorare sowie die Bezahlung der Leihmutter. Ja. Tatsächlich bekommt die Leihmutter neben allen anderen, die sich die Taschen füllen, auch noch etwas ab. Es wird allerdings zwischen Erst-Leihmüttern und erfahrenen Leihmüttern unterschieden. Das Gesamtpaket für die Leihmutter kann bei 70.000 bis über 100.000 US-Dollar betragen. Altruistisch ist hier gar nichts. Es geht viel mehr ums Geldverdienen.
Politik lebt nicht nur von Gesetzen, sondern auch von Glaubwürdigkeit. Wer ein bestimmtes Modell für Deutschland aus ethischen Gründen ablehnt, kann die ethnischen Bedenken nicht einfach über eine Auslandslösung über Bord werfen. Spahn und sein Mann haben das getan. Weil er das Geld dazu hat, das andere nicht haben. Weil er die Möglichkeiten hat, die andere nicht haben. Das Argument, die amerikanische Leihmutter sei jetzt Teil der Spahn-Familie, lasse ich nicht gelten.
Erklärungen sind Ausflüchte.
Es ist typisch für den Gesetzgeber, dass er Leihmutterschaft in Gänze ablehnt, dann aber eine Lücke lässt, um es betuchten Deutschen zu ermöglichen, das deutsche Gesetz durch Auslandslösungen zu umgehen.
Zum Thema Leihmutterschaft habe ich keine Meinung. Es fühlt sich eher nicht richtig an, weil zu viel Geld im Spiel und aus dem einfachen Kinderwunsch ein Industriezweig geworden ist.
Außerdem bin ich zu katholisch, als dass ich mich in diese Konstellationen wirklich hineindenken möchte.
Heterosexuellen Paaren empfehle ich, erst zu heiraten, wenn die Partnerin bereits schwanger ist. Das erspart einiges an Problemen und gräbt dem Modell der Leihmutterschaft von vornherein zumindest teilweise das Wasser ab.
Bei mehr als 134.000 jungen Menschen in stationären Einrichtungen drängt sich die Frage auf, warum der Wunsch nach einem genetisch verwandten Kind für viele so ausschlaggebend ist.
Warum musste es unbedingt ein Baby aus dem Reagenzglas sein?
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