Grundsicherung: Schneider kritisiert Dobrindt und vergreift sich im Ton.

Mittwoch, 17. Juni 2026

Ich kann mit der Verrohung des Schreibstils überhaupt nichts anfangen. Wie kommt Herr Schneider zu der Tatsachenbehauptung, Innenminister Dobrindt habe keine Ahnung und keinen Charakter? Korrekt darf er maximal schreiben, dass er glaubt, Dobrindt habe unter Umständen keine Ahnung. Ihm aber gleich „keinen Charakter“ zu unterstellen, ist sehr irritierend.

Dabei ist Ulrich Schneider kein minderbemittelter und ungebildeter Asozialer. Von 1999 bis 2024 war er Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Auch ist er mit 67 weder zu jung noch zu alt für eine gewisse Altersweisheit. Studiert hat er an der Universität Münster und an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Aber was nutzt es, zweimal zu studieren, wenn er sich beim Schreiben auf X derart „vergisst“ und sich im Ton vergreift?

Beschäftigen wir uns noch kurz mit dem Grundsicherungsregelsatz, der aus seiner Sicht vor Armut schützen soll. Ich sehe das nicht so. Wer in der Grundsicherung ist, wird wohl oder übel mit dem Schicksal leben müssen, in relativer Armut zu leben. Ich glaube nicht, dass es der gesetzliche Sinn der Grundsicherung ist, vor Armut zu schützen. Die Aufgabe der Grundsicherung ist es viel mehr, dass die Betroffenen in „Würde“ leben können. Nur Geschichtsvergessene können ernsthaft glauben, dass Armut mit Würdelosigkeit gleichzusetzen ist.

Nach ihrer Flucht bzw. Vertreibung aus Schlesien waren meine Mama, ihre vier Geschwister und deren Mutter – also meine Oma, die ich nie kennengelernt habe – bettelarm. Sie waren die Ärmsten unter den Armen. Aber würdelos waren sie nie.

Und man könnte auch durchaus differenzierter an die Sache herangehen. Grundsicherungsempfänger ist nicht gleich Grundsicherungsempfänger.

Wir Steuerzahler zahlen neben dem Regelsatz auch die Wohnungen samt Nebenkosten. Wer vom Steuerzahler eine Wohnung bezahlt bekommt, lebt bereits in Würde. Schneider bekommt allerdings Schnappatmung, wenn jemand diesen Zustand hinterfragt.

Armut ist nicht gleich Würdelosigkeit

Es ist schade, dass Schneider hier derart „ausholt“. Als Rentner und mit ordentlich Gratismut ausgestattet, ist es für ihn recht einfach, zu fordern, zu fordern und immer wieder zu fordern. Finanzierungsideen lese ich aus seinem Post aber nicht heraus.

Ich unterstütze Alexander Dobrindt in seinen Überlegungen auf ganzer Linie.

Schauen wir noch etwas genauer auf den Paritätischen Spitzenverband. Der Paritätische ist einer der sechs großen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Er betreibt selbst nur wenige soziale Einrichtungen, sondern ist vor allem ein Dachverband für mehr als 10.000 Mitgliedsorganisationen – von Frauenhäusern über Behindertenhilfe, Selbsthilfegruppen und Kinderschutzorganisationen bis hin zu Migrantenvereinen. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören:

  • Interessenvertretung gegenüber Politik und Behörden
  • Sozialpolitische Stellungnahmen und Lobbyarbeit
  • Beratung der Mitgliedsorganisationen in rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen
  • Unterstützung bei Förderanträgen und Finanzierung
  • Fortbildung und Qualifizierung von Mitarbeitern
  • Vernetzung der Mitgliedsorganisationen

Warum brauchen 10.000 Vereine einen Dachverband? Auflösen, Kosten senken. Kurz gesagt: Kann weg. Hätte es nie geben dürfen.

Schneider trat übrigens 2022 aus der Partei „Die Linken“ aus und 2026 wieder ein. Noch Fragen, woher seine sozialistische Geisteshaltung kommt? Mit einer geschätzten Rente von 3.000 bis 3.500 Euro darf er uns und den Innenminister ruhig weiterhin belehren, glaubt er.


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