Mittwoch, 29. April 2026
https://www.tagesschau.de/inland/deine-meinung-zaehlt-wohlstand-100.html
Ich kann diesem Umfrageschwachsinn nichts abgewinnen. Diesmal ist es die ARD-Aktion „Deine Meinung zählt!“, die mich nervt.
„81 Prozent halten Wohlstand für ungerecht verteilt.“
Jetzt wäre es natürlich toll, wenn uns die ARD direkt unter der reißerischen Unterschrift zwei Definitionen präsentieren könnte. Wir müssten ganz schnell wissen, was „Wohlstand“ und was „ungerecht“ bedeutet. Aber? Fehlanzeige.
Mehr als 70.000 Menschen beteiligten sich online
Und schon wissen wir, wie wertlos die Umfrage ist. Verärgerte Menschen lassen sich viel leichter für solche populistischen Umfragen mobilisieren, als zufriedene Menschen. Zwar hätte man zusätzlich auch 2.000 Menschen repräsentativ befragt, nur frage ich mich, mit welcher Gewichtung man die Ergebnisse zusammengemixt hat.
Ich mache den Begriff der „ungerechten Verteilung“ an einem Beispiel fest. Begeben wir uns nach Grünwald. Auf der einen Seite der Straße wohnt ein fleißiger Unternehmer, der es mit 80 Stunden Arbeitszeit pro Woche – und das über Jahre – zu einem kleinen Vermögen gebracht hat. Vielleicht ist er sogar Millionär. Gegenüber wohnt ein Milliardär, der nichts weiter getan hat, als zu erben und nicht arbeitet. Wird jetzt der fleißige Unternehmer auf Befragen im Wissen um das Leben des Nachbarn zu den 81% der Befragten gehören, oder zu den 19%, die die Verteilung für gerecht halten? Man sollte sich bei der Antwort darauf nicht zu sicher sein.
In einer Umfrage wurden heute Menschen dazu befragt, welches Monatsgehalt für „reich“ steht. Die Antworten lagen zwischen 4.000 und 100.000 Euro. So viel zum Thema, was als Wohlstand betrachtet wird. Würde man den 81% der Menschen, die den Wohlstand als ungerecht verteilt sehen, einen Film über die Armut in Asien oder Afrika oder auch Kuba zeigen, würden sie wiederum den Wohlstand als ungerecht verteilt sehen, nur diesmal aus ganz anderen Gründen. Der Neid gegenüber Reichen würde plötzlich der Bedrückung weichen.
Umfragen, die man sich sparen kann
Ich habe das starke Gefühl, dass die Bundesregierung gerade sturmreif geschossen wird. Oberstes Ziel des offenen Bashings: Bundeskanzler Friedrich Merz. Und alle halten zusammen. Die SPD ist die blockierende Opposition in der Regierung. Im Ranking wird uns Merz als unbeliebtester Politiker präsentiert. Und als i-Tüpfelchen gibt es die passende Sonntagsumfrage:

Bei solchen Statistiken frage ich mich immer, warum nicht grundsätzlich die stärkste Partei ganz links und die schwächste Partei immer rechts erscheint.
Langsam könnte man auch mal überlegen, ob man die CDU umfragetechnisch von der CSU trennt. Ich frage mich, wie man überhaupt repräsentativ befragen kann. Denn die Umfrage muss ja – wegen der CSU – immer zu einem Teil in Bayern stattfinden. Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Umfrage auf alle Bundesländer gleich verteilt sein muss. Wenn man aber weiß, dass zum Beispiel die AfD in den ostdeutschen Bundesländern von den Wählern überproportional unterstützt wird – wie kann man das dann überhaupt repräsentativ darstellen? Hm, ist mir zu hoch, weshalb ich diese Umfragen nur zum Teil für bare Münze nehmen. Wahrscheinlich ist so eine Wahlumfrage das Ergebnis eines hochmathematischen Systems.
Früher haben sich die Medien über die Stärke der AfD stets geärgert. Jetzt wird nur noch hämisch nach dem Motto kommentiert: Merz wollte die AfD halbieren und hat stattdessen die CDU halbiert. Ich dagegen habe es immer vorausgesagt. Der Klotz am Bein ist die SPD. Ich sage auch voraus, dass die Koalition zerbricht. Gar nicht mehr zuhören kann ich dem Klingbeil. Er könnte als Märchenerzähler durchgehen.
Gesundheitsreform – ein Treppenwitz
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/eilmeldung-gesundheitsreform-kabinett-100.html
Wenn ich mir anschaue, was sich die Koalition in Sachen Reformen ausgedacht hat, kann man sich nur wundern. Man bezeichnet es als Reform, wenn dem Gesundheitssystem zwei Milliarden an Steuergeldern entzogen werden. Arbeitsministerin Bas triumphiert ob dieser Umverteilungsorgie und der paar Einsparungen wie folgt:
„Für die arbeitenden Menschen in Deutschland macht es einen Unterschied, wenn Sozialdemokraten mitregieren.“
Die Aussage wirkt borniert, und sie merkt es nicht einmal. Mit der „Internationale“ au den Lippen wird das Land in den Ruin getrieben. Sie ist ja auch die, die ausgeführt, die SPD würde nicht mehr gewählt, weil die Menschen nicht mehr wüssten, wofür die SPD steht. Wieder falsch, Frau Bas. Die SPD wird genau deshalb nicht gewählt, weil die Menschen genauestens wissen, wofür die SPD steht: Sozialistische Umverteilung.
Und so werden aus den Reformen nicht einmal Reförmchen. Das ist nichts. Das ist überhaupt nichts. Vergütungen für Ärzte, Krankenhäuser und Pharmahersteller sollen gedeckelt werden und nicht schneller wachsen dürfen als die Einnahmen. Was ist das für eine Bankrotterklärung? Die fähigsten Ärzte werden das Land verlassen.
Außerdem wollen sie die Sache mit der Zuckersteuer durchziehen. Ich kann nur lachen. Es werden 450 Millionen Euro an Mehreinnahmen erwartet. Das ist ebenso ein Tropfen auf den heißen Stein, wie die Änderung bei der Mitversicherung nicht berufstätiger Partner: 2,5% Beitrag des Einkommens des berufstätigen Partners sollen es bringen. Das ist doch keine Reform. Das ist untauglich. Denn es gibt natürlich Ausnahmen.
Renten steigen ab 1. Juli 2026 um 4,24%
Die zuständige Arbeitsministerin Bas erklärt die Höhe mit der Lohnentwicklung. Es fällt mir äußerst schwer, diese jährlichen Erhöhungen – wie immer im Gießkannenprinzip – zu verstehen.
An welche Themen hat man sich nicht rangetraut?
- Pendlerpauschale
- Dienstwagenprivileg
- Diesel
- Flugbenzin
- Subventionen
Stattdessen:
- Tabaksteuer
- Alkoholsteuer
- Zuckersteuer
- Plastiksteuer
Neuverschuldung dennoch: 197 Milliarden Euro
Angeblich war Merz heute bereit, die Vertrauensfrage zu stellen. Hätte er es doch einfach getan. Es braucht einen Neuanfang – ohne SPD.
Entdecken Sie mehr von Michael Behrens
Melden Sie sich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
