Lokales, ovb: Vermutlich letztes Interview mit Neumarkts Alt-Bürgermeister.

https://www.ovb-online.de/muehldorf/neumarkt-st-veit/neumarkt-st-veit-24-jahre-buergermeister-baumgartner-blickt-zurueck-94262979.html

Das Interview war schon am Samstag online. Schauen wir uns die interessantesten Punkte kurz an.

OVB: „Sie zählen die letzten Tage im Amt – …“

Herr Enzinger, nicht nur er selbst.

„Platz schaffen für den Nachfolger.“

Man kann den Namen ruhig aussprechen. Es ist Stefan Streck von der CSU.

„Am dringendsten ist der Neubau des Gerätehauses in Teising.“

Wenn das so dringend ist, wie kann man dann nur 203.000 Euro in den Haushalt 2026 einstellen? Und dieser Betrag gilt für das gesamte Feuerwehrwesen der Stadt Neumarkt-Sankt Veit mit seinen sechs außenliegenden Feuerwehren in Elsenbach, Feichten, Hörbering, Teising, Thambach und Wiesbach. Aber wie hatte der ovb schon in seiner Ausgabe vom 15. Juli 2024 getitelt: Teisinger Feuerwehr ist frustriert. Und ich hatte mich – vollgesogen mit Wissen aus dem Feuerwehrbedarfsplan – dem Thema gewidmet:

„Vielleicht hat mein Nachfolger das Glück, dass sich Dinge bewegen, die bisher blockiert waren.“

Noch einmal zur Erinnerung, Herr Bürgermeister: Er heißt Stefan Streck.

Ein großes Problem ist die fehlende Kanalisation in bestimmten Bereichen.

Wenn ich von diesen Missständen höre, pflege ich immer hinzufügen: …und dies 81 Jahre nach dem Krieg. In Sachen Infrastruktur fällt mir auch immer wieder die hohe Anzahl von immer noch oberirdisch mit Strom versorgten Häusern – mitten in der Stadt – auf. Ich finde das nicht zeitgemäß.

„Schuldenstand? Fast halbiert.

Ich ziehe den Bericht von innsalzach24 vom 13.03.2026 heran. Demnach wurden die Schulden von 9,75 Mo auf 4,73 Mio reduziert. Dann kann man doch aber nicht von „fast halbiert“ sprechen, sondern darf sich über „mehr als halbiert“ freuen. Entweder sind die Zahlen vom 13.03. richtig oder die Aussage aus dem Interview. Beides geht nicht. Ich habe mich über diese Ungenauigkeiten schon immer geärgert. Sie ziehen sich durch die Amtsführung des Herrn Bürgermeisters, solange ich mich dafür interessiere. Hinzu kommt der Haushaltsvorbericht für 2026, nach dem die Schulden am Ende des Jahres 2026 auf 3.783.038,22 € gesunken sein werden sollen. Mir fehlt der Glauben, dass es der Stadt bei all den Herausforderungen gelingen soll, die Schulden um eine Million Euro zu senken.

Wirtschaftliche Lage der Stadt? Stabil.

Stabil ist man mindestens bei der Platzierung, was die Umlagekraft je Einwohner angeht. In dieser Beziehung steht man stabil auf Platz 25 bis 29 von 31 Gemeinden im Landkreis Mühldorf.

„Durch die Gründung des Kommunalunternehmens Stadtwerke konnten wir die Schuldenlast der Stadt fast halbieren und dem zuständigen Bereich der Wasserversorgung beziehungsweise Abwasserentsorgung zuordnen.“

Es wird bei den Stadtwerken immer nur von Wasser und Abwasser gesprochen. Übertragen wurde aber auch das gesamte Wasser-Leitungsnetz. Ich schließe das daraus, dass auf der neuen Homepage der Stadtwerke darauf hingewiesen wird, Rohrbrüche zu melden. Außerdem wurden den Stadtwerken auch alle PV-Anlagen übereignet. Das Tafelsilber ist somit auch weg.

Bevölkerungsstruktur: „…bin Verfechter eines gesunden organischen Wachstums

Wer könnte hier widersprechen? Aber gibt es überhaupt ein Bevölkerungswachstum? Ich präsentiere die Zahlen, die ich in diversen offiziellen Dokumenten gefunden habe

  • 2022: 6.285 (laut Zensus 2022, siehe Haushalt 2026, Seite 3)
  • 30.06.2023: 6.539 (laut Haushalt 2024)
  • 31.12.2024: 6.334 (laut Wikipedia)
  • 30.06.2025: 6.382 (laut Haushalt 2026)
  • 20.03.2026: 6.239 (laut ovb-Bericht, ausgerechnet von mir durch die Gegenüberstellung von Gesamtverschuldung und Prokopfverschuldung)

Ein Schelm, der jetzt nicht versteht, warum im Haushalt 2026 (Seite 3) nicht etwa auf das Jahr 2025, 2024 oder 2023 verwiesen wird, sondern auf das Jahr 2022. Nur im Vergleich mit 2022 lässt sich überhaupt ein Bevölkerungswachstum darstellen. Denn in den letzten vier Jahren hat die Einwohneranzahl abgenommen. Der Wunsch nach einem organischen Wachstum bleibt folglich zunächst ein frommer Wunsch.

„Zudem haben wir Zusagen der Telekom, den Innenbereich auf deren Kosten mit Breitband auszubauen.“

Ich konkretisiere: Wir haben die Zusage der Telekom, den Innenbereich auf deren Kosten mit Breitband ab Anfang 2026 auszubauen. Ich denke, wir können konstatieren, dass Anfang 2026 vorbei ist. Und welche Aktivitäten sehen wir? Also, ich sehe keine.

Stadtplatz: Erste Schätzungen lagen bei etwa 4,1 Millionen Euro

Wieder einmal lesen wir eine neue Zahl. Ich werfe einen Blick auf die ovb-Ausgabe vom 09.07.2021 und sehe dort geschätzte Kosten von 5,9 + 1,27 = 7,19 Mio Euro. Und jetzt will man das Projekt mit 7,5 Millionen Gesamtkosten abgeschlossen haben? Die Zahlen sehe ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Im gleichen Bericht wird auch von 54%igen Kostensteigerungen bei Vergaben gesprochen. Soviel zum Thema, dass der Bürgerentscheid die Mehrwertsteuervorteile aus Corona-Zeiten zerstört hätte.

Letzter Amtstag 30. April mit Stadtratssitzung: Danach werde ich symbolisch den Schlüssel übergeben – ein klarer Abschluss.

Lese ich hier zwischen den Zeilen, dass der Alt-Bürgermeister nach dem 30. April nicht die Absicht hat, den neuen Bürgermeister mit seiner Erfahrung zu unterstützen?

„Zu den Plänen danach: „Unter anderem sind auch ein paar Tage Venedig drin.“

Wo darf ich hinspenden, damit daraus wenigstens eine Woche wird?

„Rückzug oder Archiv? Archiv.“

Bei unserem Familienstammbaum finde ich einen Rückblick in die Geschichte äußerst spannend. Aber das ständige Wühlen in der Stadtgeschichte, die schon Hunderte Male durchgekaut wurde, langweilt mich zunehmend. Ok, zwei Vorträge rund um die Stadterhebung können wir uns ruhig geben, denn ich hatte da auch schon mal gegoogelt und nichts gefunden. Mir ging es um das Datum der Stadterhebung und um die Frage, ob die Aktivitäten rund um die Stadterhebung nicht einen Monat zu zeitig angesetzt sind. Recht habe ich behalten: Die Stadterhebung war am 27. Mai 1956. Die Vorträge finden schon im April statt. Sie mussten halt unbedingt noch in die Amtszeit des Alt-Bürgermeisters hineingepresst werden.

„Ich wünsche dem neuen Bürgermeister Stefan Streck alles Gute und ein glückliches Händchen bei allen seinen Entscheidungen.“

Genau dieser Satz wäre ein würdiges Ende gewesen.

Kritische Fragen vom OVB-Redakteur sind auch im letzten Interview ausgeblieben. Diese Kritiklosigkeit habe ich in meinem Umfeld schon einmal hinterfragt. Die Antwort war, dass es sich der Lokalredakteur nicht erlauben kann, zu kritisch zu sein. Andernfalls könnte er vom Informationsfluss abgeschnitten werden und am Ende nicht mehr wissen, was er auf der Lokalseite schreiben soll. Diese Erklärung wirkte auf mich nicht überzeugend. Denn jetzt, wo diese Informations-Abhängigkeit des Lokalredakteurs vom Bürgermeister endet, kommt der Beweis, dass meine Skepsis immer gerechtfertigt war. Herr Enzinger ist bis zuletzt kritiklos, weil er offensichtlich ein echter und treuer ‚Baumgärtner‘ ist.


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