Zuckersteuer – pro und contra

Montag, 23. Februar 2026

KI-generiert.

https://www.vzbv.de/meldungen/wieso-eine-zuckersteuer-sinnvoll-ist-und-die-cdu-mut-beweisen-sollte

Die CDU hat auf ihrem Parteitag die vom schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther vorgeschlagene Einführung einer Zuckersteuer abgelehnt. Der Antrag forderte die Einführung einer Steuer auf Getränke mit hohem Zuckeranteil mit gestaffelten Anreizen für die Industrie, den Zuckergehalt zu senken. Außerdem sollte eine Altersgrenze von 16 Jahren für Energy-Drinks eingeführt werde.

Die CDU hat die Ideen als „grüne Bevormundungspolitik“ abgelehnt, denn in Schleswig-Holstein regiert eine schwarz-grüne Koalition. Was Grüne fordern, wird bei einem CDU-Parteitag in Stuttgart reflexartig abgelehnt. Das ist vorhersehbar.

Bevor wir der CDU in ihrer Haltung zustimmen, gehen wir die Sache strukturiert an und stellen fest, dass jedes vierte Kind übergewichtig ist. 54% der Deutschen sind übergewichtig, 20% sind adipös. Man könnte meinen, dass gesetzliche Regelungen sinnvoll sind. Nur: Wo beginnt man, und wo hört man auf? Es geht ja nicht nur um Zucker. Es geht Alkohol, Nikotin, Fleisch und Wurst, um Fett, um Salz und Zucker. Alles müsste auf den Prüfstand. Und zwar von der Wichtigkeit her in dieser Reihenfolge. Sich bei den Ernährungsproblemen von uns Deutschen einfach nur den Zucker herauszupicken, ist kläglich.

Für mich schaut es so aus, als ob Eltern weder auf die Gesundheit ihrer Kinder achten wollen/können, noch auf ihre eigene Gesundheit. Gesetze wirken diesem Dilemma nicht entgegen. Niemand wird in Deutschland gezwungen, ungesunde Lebensmittel zu kaufen.

Ich mache es am gestrigen Abend beim Zens in Hofthambach fest. Nicht weit von uns weg saß eine Familie mit einigen körndlgefutterten Burschen, alle gefühlte 1,90 m hoch, davon zwei aber eben auch nahe an der 200kg-Grenze, wenn nicht drüber. Während ich – in voller Bescheidenheit – meine drei grünen Tee genoss und dabei die mitgelieferten Zucker-Tütchen und auch die Kekse vom Unterteller wegschnipste, ging es nebenan – essens- und getränketechnisch – weitaus ausschweifender zu.

Einer musste seine e-Zigarette sogar am Tisch benutzen. Das fiel mir aber erst viel zu spät auf. Hätte ich das eher bemerkt, hätte ich die Stimmung schlagartig in den Keller gehen lassen. Denn beim Rauchen in Innenräumen hört der Spaß grundsätzlich auf.

Was ich mit diesem kleinen Exkurs sagen möchte: Wenn bei der Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin und Zucker der Point of no return erreicht ist, können kein Gesetz und keine Therapie mehr helfen. Und mit erhöhten Preisen kommt man auch nicht weiter.

Befürworter der Zuckersteuer werden sagen, dass es doch schon 54 oder sogar 60 Länder gibt, in denen die Zuckersteuer wirkt. Ausgerechnet Mexiko muss als gutes Beispiel herhalten. In absoluten Zahlen trank der durchschnittliche Mexikaner nach der Einführung 2014 rund 4,2 Liter weniger zuckerhaltige Getränke – pro Jahr. Das heißt eine 1L-Flasche Coca-Cola im Vierteljahr weniger. Leute, das können wir vergessen.

Im youtube findet man ein Video über den Stamm der Tsotsil-Maya, die mit 2,2 Litern pro Tag den höchsten Coca-Cola Konsum weltweit haben. Der Softdrink hat sich mit ihren religiösen Ritualen vermischt und gilt als heilig. Jede versuchte Korrektur dieses Trinkverhaltens erscheint völlig sinnlos. 12 Jahre mexikanische Zuckersteuer – am Leben vorbei.

In Großbritannien war die Cambridge-Universität der Ansicht, dass 8% weniger britische Mädchen unter sechs Jahren übergewichtig waren. Nun haben sechsjährige Mädchen in der Regel keine Chance, selbstbestimmt auf Essen und Getränke zuzugreifen. Wo wird hier die Verantwortung der Eltern betrachtet? Deutlich adipöse Kinder müssten zu regelmäßigen Anzeigen gegen die Eltern wegen Gefährdung des Kindeswohls und entsprechenden Verurteilungen zu Geldstrafen führen. Das wären effektive und vor allem öffentlichkeitswirksame Maßnahmen. Die Eltern gehören an den Pranger. Sie verpfuschen ihren Kindern die Zukunft. Wo sind die Jugendämter? Das Mühldorfer Jugendamt hat 120 Mitarbeiter. Wo sind sie, wenn man sie braucht?

Die WHO empfiehlt maximal 6-8 Stück Würfelzucker als Menge, die ein Mensch täglich zu sich nehmen sollte. Das ist verdammt wenig. Ich selbst habe den ganzen Dezember hindurch bis zum 06. Januar extrem viele Schokoladenkekse gegessen und war über diese Undiszipliniertheit sehr unglücklich. Am 6. Januar war damit Schluss. Ich habe bis einschließlich 12. Februar keine Süßigkeiten konsumiert. Nichts, rein gar nichts. Keine Marmelade, kein Müsli, kein Kuchen, keine Kekse – absolut nichts. Süßgetränke und Speiseeis kennt mein Körper eh schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Was waren die positiven Auswirkungen dieser sechs Wochen 0-Zucker-Ernährung auf das eigene Wohlbefinden? Tatsächlich habe ich gesundheitlich nichts bemerkt. Das ist das Schwierige an der Sache. Man strengt sich an und sieht keine Veränderung. Zuckerabstinenz scheint keinen Sinn zu haben.

Man darf aber Diabetes als über uns allen schwebendes Damoklesschwert niemals ignorieren. Ich bleibe weiterhin diszipliniert. Für Geburtstagsfeiern und ähnliche Anlässe gibt es Ausnahmen. Man darf Gastgeber nicht vor den Kopf stoßen.

Aber einen Effekt hat das Ganze. Ich kam zu der Erkenntnis, dass man sich Zuckerkonsum abgewöhnen kann. Der Körper stellt sein Verlangen nach Zucker schön langsam ein.

Am morgigen Montag gibt es eine Sendung zum Thema Zucker, moderiert von Eckart von Hirschhausen. Das gibt weitere Aha-Momente. In einer Vorschau bezeichnet Hirschhausen Zucker und Ersatzstoffe als süßes Gift. Überspitzt formuliert, inhaltlich aber kaum von der Hand zu weisen.


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