Samstag, 14. Februar 2026
Aus mehreren Gründen kam der gesundheitliche Umfaller am Dienstag zur Unzeit. Mit Schüttelfrost war ich sofort handlungsunfähig. Ab 1900 ging es aber so weit wieder, dass ich mir die Podiumsdiskussion wenigstens online anschauen wollte. Einen Live-Link suchte ich auf der ovb-Seite vergebens. Das war die erste Irritation, weil man dann nicht genau weiß, ob man überhaupt auf der richtigen ovb-Seite ist.
Um 1930 wurde dann der Live-Butten endlich eingeblendet. Erleichtert klicke ich da hin und sehe was? Menschen, die auf dem Bildschirm quer erscheinen. Ich musste meinen Laptop auf die Seite stellen. Ganz toll. Das Problem muss sich bis zum Techniker im Bahnhof herumgesprochen habe, denn zehn Minuten später waren Menschen und Format wieder in Porträt-Form. Aber: Das was auch nur die zweitbeste Lösung. Denn nun waren die vier Kandidaten nicht mehr gleichzeitig zu sehen. Gerne hätte ich im Bahnhof gesessen, auch wenn ich die Anstehzeit vor dem Eingang für eine Zumutung gehalten hätte. Gesundheitlich angeschlagen, kann man sich aber nicht eine Stunde in die Kälte stellen. Sinn hat die Warterei übrigens nicht. Anstatt die Menschen in der Kälte stehen zu lassen, hätte man sie einfach auch 1830 hereinlassen können.
Technisch lief dann endlich alles. Ich döste beim Zuhören leicht vor mich hin, bis eine Diskussion einsetzte, man könne den Live-Stream nicht verfolgen. Oh, dachte ich. Bitte jetzt auf keinen Fall etwas ändern. Aber auf mich hört ja niemand. Irgendwas wurde neu gestartet. Danach ging bei mir nichts mehr. Ich dachte mir: Inschallah, dann eben nicht.
Die Zeitung fasste die Sache schon am Mittwoch zusammen. Nehmen wir den Zeitungsbericht und schauen uns die Sache noch ein wenig an.
„Viele haben zu mir gesagt, Tommy du wärst ideal, bist aber in der falschen Partei.“
Kurze Rückfrage: Was genau heißt „viele“? Den zweiten Halbsatz lassen wir so durchgehen. Der stimmt 100%ig.
„Alle vier waren sich einig, dass für die Stadt dringend neuer Schwung her müsse.“
Für die „Neulinge“ Stefan Streck und Madlen Winterer lässt sich aus dieser Aussage echter Veränderungswille ableiten. Jetzt muss der geneigte Leser wissen, dass diese Aussage aber eben auch von zwei Kandidaten kommt, die seit sechs bzw. achtzehn Jahren im Stadtrat sitzen. Hat sich das Schwunghafte bei den Herren Döring und Hobmaier justament im Jahr 2026 eingestellt oder war man schon seit Jahren mit vollem Schwung dabei, konnte sich aber nicht durchsetzen? Egal, wie die Antwort ausfällt: Es mangelt an einer Erklärung. Es geht nicht, einfach so zu tun, als würde man sich völlig unvorbelastet dazugesellen und den Bock jetzt umstoßen wollen. Das ist des Pudels Kern: Es fehlt im ganzen Wahlkampf eine Ursachenforschung, zu der Herr Döring und Herr Hobmaier viel beitragen könnten. Sie lassen diese Profilierungschance aus. Sie halten das für vergossene Milch und möchte nur noch in die Zukunft schauen. Könne man machen, würde der neue Bürgermeister nicht einen Sack voll Schulden ins Amt nehmen
Und weil es diese Aufarbeitung der Situation nicht einmal ansatzweise gibt, sollte jeder Wähler genau hinschauen, bei welchen altgedienten Stadträten man überhaupt sein Kreuzchen machen sollte. Bei der CSU treten wenigstens fünf der bisherigen neun Stadträte nicht mehr an. Hier hat man sich zumindest auf den Weg gemacht.
Bei der UWG treten aber sieben von acht Kandidaten wieder an. Also kommt die Frage auf, wo der neue Schwung herkommen soll? Mit gleichem Personal schwungvolle neue Wege gehen? Das ist erklärungsbedürftig.
Döring will Leerstand beheben.
Man lässt den Grünen mit diesem kurzen Statement durchkommen. Hier hätte eine Veto-Karte hergehört. Eine Nachfrage, was er hier vorhat, und warum er damit nicht schon längst begonnen hat, wäre interessant gewesen. Eine zweite Frage hätte darauf abzielen müssen, warum in seinen Auftritten (und auch nicht im ovb-Bericht) das Wort Umweltschutz überhaupt nicht vorkommt. Hier hätte man ihn festnageln können, ja müssen. Und weil die Situation ist wie sie ist, ist er eben auch tatsächlich in der falschen Partei.
Das 2-Stundenvideo mir jetzt noch einmal anzuschauen, ist unnötig. Jeder kann sich das selbst noch einmal reinziehen.
Die Sonntagsfrage läuft derweil unbeirrt weiter.
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zu Döring: Was will man von einem Opportunisten schon erwarten. Jemand der kurz vor der Wahl (2020) noch schnell die Partei wechselt weil er auf Listenplatz 20 so gut wie keine Chance hat und es dann in den Stadtrat schafft – eine der Ursachen für die Politikverdrossenheit mancher Leute.
„Viele haben zu mir gesagt, Tommy du wärst ideal, bist aber in der falschen Partei.“ Ein alter grüner Hut in Neumarkt-St.Veit, der immer wieder mal gerne rausgekramt wird. Derjenige zu dem das wirklich gesagt wurde lebt nicht mehr. Mein Onkel Reinhard Schmidt (Mitbegründer des ersten „Grünen“ Ortsverbandes Anfang der 80er Jahre) musste sich das tatsächlich beim Wirt in Feichten von seinen Bauernkollegen so anhören als er 1984 als Bürgermeisterskandidat antrat. Kein Flax, ich war dabei. Und damals standen die Grünen tatsächlich noch für Umweltschutz.
Was qualifiziert jemanden für das Amt des Bürgermeisters?
– will sich wichtig machen? Nein!
– Verlegenheitslösung weil sich sonst niemand dazu bereit erklärt? Nein!
– will sich für die nächsten 6 oder 12 Jahre einen Posten sichern der ihm dann eine schöne Pension einfährt? Nein!
– flätzt sich bei einer Podiumsdiskussion in den „Sessel“ wie zuHause beim Feierabendprogramm? Absolut Respektlos den Anwesenden gegenüber!!
Was hat Frau Winterer, das die anderen nicht haben? Als längerdienende Kameradin die im Auslandseinsatz war mit Sicherheit „Eier“ (im übertragenen Sinn – man möge mir die vulgäre Formulierung verzeihen). Was meines Erachtens für das Bürgermeistersamt unerläßlich ist.
2 Stunden Video anschauen – in der Tat unnötig. Durchscrollen und Körpersprache beachten reicht vollkommen.