Neue Vertragsbedingungen für Hebammen

Montag, 19. Januar 2026

https://www.ovb-online.de/muehldorf/muehldorf/innklinikum-altoetting-muehldorf-hebammen-denken-an-kuendigung-94073568.html

Der neue Hebammenvertrag, auf den sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die drei Hebammenverbände nach langen Verhandlungen nicht einigen konnten, und der dann letztlich von einer Schiedsstelle entschieden wurde, sorgt bei den Hebammen faktisch einstimmig für Kritik. Ich erinnerte mich, dass es in meinem erweiterten Bekanntenkreis eine Hebamme gibt, die auf Befragen folgendes ausführt:

Der neue Vertrag wird derzeit insbesondere in den sozialen Medien eher einseitig – und nicht von allen Hebammen so geteilt – dargestellt. Deshalb möchte ich einen anderen Blickwinkel ermöglichen. Nicht alles an diesem neuen Vertrag ist schlecht und die Versorgung von Frauen, Familien bzw. Kindern ist dadurch keineswegs gefährdet, wie es in unzähligen Posts angedroht wird. Hier wird sehr viel falsch-, mindestens aber einseitig informiert und Angst geschürt. Weiterhin können Hebammen ihre Leistung im nahezu gleichen Kontingent anbieten. Einige Leistungen wurden aus dem Vertrag genommen, andere dafür – gleichwertig oder besser bezahlt – eingefügt. Es gibt jetzt keine Pauschalen mehr. Hebammen werden stattdessen im 5-Minuten-Takt bezahlt und bekommen nun „ihren tatsächlichen Zeitaufwand“ bezahlt. Das heißt, eine Hebamme bekam für einen Besuch im Wochenbett bisher eine Pauschale ca. 42€, egal, ob sie sich 15, 30 oder 60 Minuten für einen Besuch Zeit nahm. Mit dem neuen Vertrag bekommt eine Hebamme Geld, je nachdem wie lange sie bei einem Besuch da ist. Eine Hebamme mit einem Besuch von 20-30 Minuten zum Beispiel bekommt jetzt nur noch ca. 24-37€, eine Kollegin, die 60 Minuten betreut, etwa 74€, in den ersten zehn Lebenstagen bei 1,5 Stunden bis zu 111€. Auch in der Schwangerschaft wurde bisher nach Pauschale bezahlt – auch hier bekomme ich jetzt nach dem neuen Vertrag mit einer Abrechnung im 5-Minuten-Takt in der Regel deutlich mehr bezahlt. Telefonate müssen nun quittiert werden. Dies ist sicher hin und wieder ein logistisches Problem, aber vielleicht gar keine so schlechte Möglichkeit zur Kontrolle und Transparenz für die Krankenkassen. Ebenso denke ich, dass Frauen dadurch bewusst wird, dass auch ein kurzer Kontakt, zwei drei kleine Fragen, ein Telefonat eine erbrachte und damit abrechenbare Leistung und kein Freundschaftsdienst oder Service ist. Die maximalen Zeiteinheiten pro Besuch wurden limitiert. Dies sind jedoch Zeiten, in denen ich meine Arbeit bisher in der Regel gut leisten konnte, aber genau soviel Geld für jeweils einen Hausbesuch bekam wie eine Kollegin, die überall schnell durch war und zwei oder noch mehr Besuche in dieser Zeit gemacht und abgerechnet hat. Und wenn ich jetzt doch mal etwas mehr Zeit bei einem Besuch benötige, werde ich immer noch deutlich besser bezahlt, als bisher. Nachgearbeitet werden muss an der Abrechnung für Kurse und Geburten. Aber auch hier sehe ich keinen Grund zur Panik, sondern zur Aktivität. Der neue Hebammenhilfe-Vertrag ist nicht nur schlecht und bedeutet auf keinen Fall das Ende der Hebammenbetreuung. Man (Hebamme) muss sich mal durch einige Papierseiten durchquälen, Wichtiges markieren, die eigene Arbeit reflektieren und vielleicht auch mal was umstellen.

Auch diese Meinung wollte ich hiermit kundtun. Denn in meinem Regierungsprogramm Teil VII hatte ich die Überlegung angestellt, die komplette Geburtshilfe von den Krankenkassen abzukuppeln und zu privatisieren, aber durch ein vorgezogenes Kindergeld ab dem ersten Schwangerschaftsmonat zu finanzieren. Denn wie sagen die Schwangeren immer so schön? Ich bin schwanger, nicht krank. Und so sehe ich das auch. Kinderkriegen ist keine Krankheit und hat mit den Krankenkassen somit nichts zu tun.


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