Lokales, ovb-Bericht: Mehrfamilienhaus in der Ganghoferstraße.

Sonntag, 04. Januar 2026

Der ovb-Bericht war eher in der Print- als in der Online-Ausgabe, sodass ich mit meiner Bewertung ein wenig warten musste.

Der ovb-Bericht startet mit einem völlig sinnlosen „Symbol“-Bild von dpa. Offensichtlich hat man für solche Berichte nicht einmal einen eigenen Bildervorrat.

Was sprach dagegen, dass der ovb-Redakteur seinem Rechercheauftrag gerecht wird, mal schnell überlegt, wo in der Elsenbacher Straße überhaupt Platz für ein Haus mit zehn Wohnungen und 19 Stellplätzen sein könnte, um dann ein Bild vom Grundstück zu schießen? Aber ich bin ja da, ich helfe, wo ich kann, siehe mein Bild, wobei mein Foto das Grundstück größer erscheinen lässt, als es ist.

Scheinbar ist es gewollt, dass wir gar nicht erfahren, um welches Grundstück es geht. Der ortsunkundige ovb-Leser soll möglichst oberflächlich oder gleich gar nicht an der Diskussion des Stadtrates teilnehmen. Der ovb wiederum hat nicht das Interesse und scheinbar auch nicht die Fähigkeit, sich in seine Leser hineinzuversetzen, um in seinen Berichten das zu schreiben, was uns wirklich interessiert.

Bei dem Grundstück weiter oben handelt es sich um eine Fläche, auf der einmal ein Einfamilienhaus stand. Gefühlt stand es dort unbewohnt seit 1998 – so meine Erinnerung, denn seit 1998 fahre und spaziere ich dort quasi täglich vorbei. Der Leerstand hat mich vor Jahren so stark geärgert, dass ich einen satirischen Post über dieses Haus geschrieben habe. Den habe ich aber leider nicht mehr gefunden – offensichtlich verlorengegangen beim Relaunch meiner Homepage. Sonst gäbe ich ihn hier noch einmal zum besten.

Einer jahrzehntelangen Phase des Leerstandes folgte eine jahrelange Phase einer sichtbaren Baugrube als Überbleibsel des abgerissenen Hauses. Nie ging etwas vorwärts. Und ausgerechnet jetzt – wo der Bauturbo Bauvorhaben beschleunigt – behandelt der Stadtrat den Bauplan. Hat da jemand wegen des Bauturbos auf seine Chance gewartet und den vom Bebauungsplan abweichenden Bauplan im richtigen Moment eingereicht?

Das Vorhaben erfordere wegen des Bauturbos keine Änderungen des Bebauungsplans mehr.“

Die Stellplatzordnung werde mit 19 Stellplätzen, zwei Stellplätze pro Wohneinheit, eingehalten. Meine mathematischen Kenntnisse melden sich grade. Ergibt 10 Wohneinheiten x 2 Stellplätze nicht 20 Stellplätze? Im Neumarkt-Sankt Veiter Rathaus wird aber anders gerechnet. Dort heißt es: 10 x 2 =19. Das fällt auch dem ovb – wir ahnen es – nicht auf. Aber: Vielleicht ist ja noch ein Behindertenparkplatz im Spiel und die Zählweise ist eine andere. Sei es drum.

Parksituation im Fokus

Die Sache mit der Zuparkerei der Straße ließe sich bei einer Verkehrsschau mit der Polizei berücksichtigen. Es reiche, nach der Fertigstellung zu reagieren.

Entschuldigung, aber ist dann das Kind nicht schon längst in den Brunnen gefallen? Ich kann schon jetzt sagen, wie es ausgeht: Halteverbotsschilder auf der Ganghoferstraße, und zwar aus zwei Gründen: Schwerlastverkehr von und zum Gewerbegebiet und freie Fahrt für die Feuerwehr, wenn diese ausrücken muss. Damit wird es zum wilden Parken in den Nebenstraßen kommen. Keine tollen Aussichten für die dortigen Anwohner, die zugeparkte Straßen vor ihren Gärten bisher nicht kannten.

Sichtdreieck – wer braucht denn sowas?

Und natürlich nimmt man den selbst aufgestellten Bebauungsplan nicht mehr ernst. Das ist alles Schnee von gestern. Gilt nicht mehr. Kann man vernachlässigen. Baugrenze, Grundflächenzahl und Sichtdreieck – alles nicht mehr wichtig.

Öffnet man dadurch nicht die Büchse der Pandora? Muss nicht derjenige, der einmal A gesagt hat, dann aus Gerechtigkeitsgründen nicht auch immer wieder B sagen? Schade, dass der ovb-Beitrag über Kolbermoor für die Entscheidung des Neumarkter Bauausschusses und des Stadtrates zu spät kam. Da steht schwarz auf weiß geschrieben, was ich voraussage. Wildwuchs beim Bebauungsplan, wobei der Bauturbo kein Freibrief ist, dass zukünftig alles genehmigungsfähig ist, was sich Bauherren so vorstellen.

Wenn ich den ovb-Bericht vom 30.12.2025 zum Neumarkter Neubau so lese, sehe ich statt eines Sichtdreiecks höchstens ein rotes Warndreieck. Schauen wir uns schnell an, was ein Sichtdreieck ist:

Es geht darum, wie ein Haus oder ein auf dem Grundstück geparktes Auto die Sicht eines Autofahrers auf den Kreuzungsbereich beeinträchtigt.

Und ausgerechnet hier wird jetzt offensichtlich an der Sicherheit gespart? Ich kann beim besten Willen nicht glauben, dass es die Absicht des Gesetzgebers war, mit dem Bauturbo die Verkehrssicherheit zu beeinträchtigen. Der ovb findet eine kurze Erklärung unnötig. 16 Stadträte haben an der Einschränkung auch nichts auszusetzen. Weg mit dem bürokratischen Unsinn in Sachen Sicherheit. Braucht Neumarkt-Sankt Veit nicht.

Grundflächenzahl – ein Relikt aus grauer Vorzeit

Und weil wir grade im Erklärungsmodus sein, erzähle ich auch noch etwas zur Grundflächenzahl. Sie gibt an, wieviel Prozent der Fläche eines Grundstückes überbaut werden dürfen. Die Festlegung dieser Zahl hat natürlich auch einen tieferen Sinn. Es geht um Flächenversiegelung, ansehnliches Wohnen und um Aufenthaltsflächen auf dem Grundstück. Alle diese Betrachtungen hat der Stadtrat offensichtlich ohne weitere Diskussion über Bord geworfen. Was interessiert uns unser Bebauungsplan von vor ein paar Jahren?

Diskussion um die Zisternen – echt unwichtig.

Was ist das für eine sinnlose Info, dass die Zisterne drei Kubikmeter pro 100 Kubikmeter bebauter Fläche sein muss, wenn wir den Grundriss nicht erfahren? Nach meiner Schätzung sprechen wir von einer Grundstücksfläche von etwa 950qm. Wenn man sich das grade im Bau befindliche Wohnhaus mit 12 Wohnungen an der Spange anschaut, dann lässt sich erahnen, welche Wirkung der Neubau in der Ganghoferstraße auf die Nachbarn haben könnte. Weil das Grundstück aber von drei Seiten mit Straßen eingesäumt ist, gibt es nur einen echten Nachbarn. Und dieser Nachbar hat dieser Wand, die da vor ihm entsteht, zugestimmt?

Nur unter Missachtung des Bebauungsplanes kann das Projekt wohl überhaupt gelingen. Wir erinnern uns: Wo einmal ein überschaubares Einfamilienhaus stand, soll jetzt ein Gebäude mit zehn Wohnungen und 19 Stellplätzen entstehen. Mir fehlt die Phantasie, wie das gelingen kann. Hilfreich wären so kleine Informationen gewesen wie: Wieviele Stockwerke wird das Wohnhaus haben? Nun, da gehe ich von drei Stockwerken plus Satteldach aus. The Shard (London) mit seinen 310m wird hier sicherlich nicht als Vorbild gedient haben.

Wie realisiert man um das Haus herum 19 Stellplätze? Antwort: Gar nicht. Ich denke, wir sprechen von einer Tiefgarage. Bringt man dort 19 Stellplätze unter? Vermutlich nur, wenn die Tiefgarage zweistöckig wird. Denn Kellerabteile sollte es für die Mieter vielleicht auch noch geben, oder?

Eine Tiefgarage scheint die Lösung zu sein

Die Lösung wird wohl ein Mix aus Tiefgarage und Stellplätzen vor dem Haus sein. Wenn ich mir noch die Tiefgarageneinfahrt dazu denke, die ja zweispurig sein muss, um keinen Rückstau auf die Ganghoferstraße zu verursachen, dann kann ich die bauliche Enge direkt fühlen. Denn die Tiefgarageneinfahrt muss zwangsweise auf die Ganghoferstraße erfolgen. Anders lässt sich das Gefälle wohl eher nicht realisieren. Ab 10% Gefälle finden sich auf Bundesstraßen Warnschilder. Aus meiner Sicht muss die Abfahrt steiler sein. Bei der Nutzung sind somit auch noch höchste Vorsicht und Fahrkünste geboten. Für den Winter empfehle ich das Anlegen von Ketten, ersatzweise tut es eine elektrische Fahrbahnheizung. Eine PV-Anlage war ja sicherlich aufs Dach kommen, die für Strom sorgt.

Und weil wir grade von baulicher Enge sprechen. Fahrradständer, Fahrrad-Schuppen, Platz für blaue und schwarze Tonnen (eher Container) muss auch da sein. Wie schaut es mit Wallboxen aus?

Stellplätze Richtung Ganghoferstraße

Es kann ja gar nicht anders sein, als dass die Stellplätze, die sich draußen befinden, direkt zur Ganghoferstraße gehen. Müsste dann dort nicht noch ein öffentlicher Fußweg hin? Und wenn es ihn geben wird, müssten die Autos nicht entweder rückwärts oder vorwärts direkt über den Fußweg ein- oder ausparken? Und wenn es den Fußweg nicht gibt (was ich mir gar nicht vorstellen kann), dann geschehen die Ein- und Ausparkvorgänge ohne jede Pufferzone direkt auf die Ganghoferstraße? Wenn dann ein 40-Tonner von der Elsenbacher abbiegt, bin ich gespannt, wie das funktioniert.

Mich wundert deshalb nicht, dass die Bebauungsgrenze überschritten wird. Wären es nur wenige Zentimeter oder ein Quadratmeter hier oder da, dann wäre es uns mitgeteilt worden. ich gehe von einer massiven Überschreitung der Bebauungsgrenze von 50 bis 100qm aus.

Uns den ganzen Bericht lang mit Wasser- und Zisternenthemen zu bespaßen, ist nur ein Ablenkungsmanöver von den wirklich wichtigen Themen und Fragen rund um das Projekt.

Größe der Wohnungen?

Rathaus und ovb sind sich wie immer einig: Müssen wir alles nicht wissen. Werden es Miet- oder Eigentumswohnungen? Müssen wir nicht wissen, es wäre für den nachbarschaftlichen Frieden aber durchaus von Interesse.

Verkehrsschau der Polizei

Ich bin gespannt, ob die Damen und Herren von der Verkehrspolizei ähnlich kritisch hinschauen wie ich. Schauen wir aus dem Norden in Richtung Süden auf das Haus und sehen Aus- und Einfahrer in die Martin-Greif-Straße (Kreuzungsbereich). Gefühlte fünf Meter weiter rechts kommt die Tiefgaragenausfahrt des neuen Gebäudes. Direkt daneben und vermutlich ohne großen Abstand kommen die Außen-Stellplätze, die auf breiter Front alle rückwärts oder vorwärts auf die Ganghoferstraße ein- und ausparken. Neben dem letzten Stellplatz – ganz rechts – kommt die Elsenbacher Straße, vermutlich keine fünf Meter entfernt. Dazu kommen die zwangsweise zugeparkten Nebenstraßen. Hinzu kommt das Gewerbegebiet nebst Feuerwehr. Das wird aus verkehrstechnischer Sicht eine sehr unruhige Zone werden. Kaum zu glauben, dass die Polizei zu alldem Ja und Amen sagt.

Bezüglich der Dimensionen des Neubaus denke man an das sich grade im Bau befindliche und mit 12 Wohnungen vergleichbare Haus an der Spange und projiziere es auf das Grundstück an der Ganghoferstraße. Für die zwei Wohnungen weniger denke man sich ein Satteldach. Denn bei zehn Wohnungen könnte das Dachgeschoss ausgebaut sein. Drei Stockwerke x drei Wohnungen plus die Dachgeschosswohnung = 10 Wohnungen – ja, so könnte es gehen. Der gewohnte, ländliche Anblick in unserer Siedlung wird mit dem Bau zumindest stark verändert.

Der Trend zur Wohnküche.

Und ich ahne noch etwas. Die Wohnungen werden wohl Wohnküchen haben. Das scheint einfach der Trend zu sein. Ich kann damit aber überhaupt nichts anfangen. Nichts geht über eine ganz normale und baulich abgetrennte Küche als Extra-Raum. Wenn die Münchner Rasselbande kommt und es ans Essen geht, dann wird im Wohnzimmer gespeist und wir sind heilfroh, dass wir den Anblick der durch das Kochen „verwüsteten“ Küche nicht ertragen müssen. Tür zu, Thema ausgeblendet. Das klappt in einer Wohnküche nicht.

Ich bin schon auf die Bauphase gespannt. So ein Projekt bringt jede Menge Anlieferverkehr mit sich, zuzüglich Lärm und Schmutz. Zum Glück bin ich kein Bauleiter und muss nicht überlegen, wo die ganzen Lieferfahrzeuge parken können. Aber ohne halbseitige Straßensperrungen kann das eher nicht funktionieren. Die Elsenbacher Straße kommt aber eher nicht in Frage, weil auf der anderen Seite kein Fußweg ist. Die Feuerwehr wiederum wird darauf bestehen, dass die Ganghoferstraße freibleibt. Bliebe noch die Martin-Greif-Straße.

Wir werden es erleben, und ich als Laie bin gespannt.

In unserer Straße gibt es auch noch drei unbebaute Grundstücke. Bis dato konnte ich mir dreistöckige Mehrfamilienhäuser dort nicht vorstellen. Müssen wir uns in der Dichtersiedlung an derartige Bauten gewöhnen?


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