Bundespolitik: Erhöhung der Pendlerpauschale

Samstag, 20. Dezember 2025

Gute Nachrichten aus dem Finanzministerium: Der Staat hat zwar kein Geld, aber immerhin noch genug Fantasie, um die Pendlerpauschale zu erhöhen. Gab es die 38 Cent bisher erst ab dem 21. km, so gibt es die 38 Cent ab 2026 schon ab dem ersten Kilometer. Es gibt übrigens auch eine Homeofficepauschale. Sie beträgt sechs Euro pro Tag.

Prioritäten muss man eben setzen. Wenn schon Haushaltsloch, dann bitte mit Fahrtkostenerstattung. Der Bund wird in 2026 etwa eine Milliarde Euro an Mindereinnahmen haben. Und dies ohne jede Not. Im Jahr 2027 werden es rund zwei Milliarden Euro sein. Wieso der Unterschied? Nun. Man unterscheidet bei Steuern zwischen dem Anlaufjahr und dem vollen Wirkungsjahr. Durch verzögerte Steuererklärungen entfaltet sich die Wirkung erst mit der Zeit.

Während an Schulen der Putz bröckelt, Brücken vorsorglich gesperrt werden und Kommunen ernsthaft darüber nachdenken, ob Straßenbeleuchtung wirklich notwendig ist, wird der tägliche Arbeitsweg mit Steuergeldern subventioniert. Schließlich soll sich Leistung wieder lohnen. Günstig in Neumarkt-Sankt Veit wohnen, und im gutbezahlten München arbeiten – das ist die Idee der Bundesregierung. Wer in Neumarkt wohnt und arbeitet, gehört in Sachen Pendlerpauschale zu den Dummen. Das ist überaus logisch. Und noch viel logischer ist es für den Umweltschutz, Pendler, die mit dem Auto fahren, mit Pendlern, die mit der Bahn fahren gleichzusetzen. Es ist auch egal, ob man mit dem Auto fährt und Fahrgemeinschaften bildet. Die Pendlerpauschale wird steuerlich angesetzt und ohne Prüfung der tatsächlichen Situation gewährt. Wie man massenhaftem Missbrauch auf die Spur kommen will, erschließt sich mir nicht.

Dass der Staat gleichzeitig neue Schulden aufnimmt, Investitionen verschiebt und mit ernster Miene erklärt, man müsse „den Gürtel enger schnallen“, passt wunderbar ins Bild. Nur eben nicht für alle gleich. Wer pendelt, darf den Gürtel lockern – finanziert von denen, die zufällig näher dran wohnen oder gar mit dem Fahrrad fahren.

Am schönsten ist der pädagogische Effekt: Jahrzehntelang predigt man Klimaschutz, Verkehrswende und CO₂-Reduktion – und belohnt dann konsequent jeden zusätzlichen Kilometer. Das ist keine Doppelmoral, das ist ein Konzept. Ein teures zwar, aber immerhin eines, das zuverlässig funktioniert: Mehr Verkehr, weniger Geld, dafür ein gutes Gefühl, „etwas für die Mitte der Gesellschaft getan zu haben“.

Die Bundesregierung pendelt gedanklich im Kreis.


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