London, in der Adventszeit, Tag 1, Ausklang im Emirates Stadium.

Freitag, 12. Dezember 2025

Selbstverständlich gehört zu einem London-Besuch auch ein gepflegter Besuch eines Fußballspiels. Im Derby spielte Arsenal gegen Brentford und gewann 2:0. Arsenal zeigte eine insgesamt solide Leistung, dominierte die erste Halbzeit und ließ kaum echte Torchancen zu. Mit dem Sieg bauten die Gunners ihre Ungeschlagen-Serie weiter aus und festigten ihre Tabellenführung in der Premier League.

So sah das Stadion noch 30 Minuten vor dem Anpfiff aus. Pünktlich zu Beginn des Spiels war es dann aber mit 60.000 Zuschauern gefüllt. Die Begrifflichkeit „gepflegter“ Besuch kann man wörtlich nehmen. Die Atmosphäre im Stadion war ganz in meinem Sinne. Wie in der Allianz-Arena auch herrscht im Innenraum Rauchverbot. Im Gegensatz zur Arena halten sich aber wirklich alle an diese Spielregel. Auch Alkohol ist im Innenraum tabu. Eine Ekel-Bierdusche ist somit ausgeschlossen.

Schmähgesänge gegen den Gegner kennt man nicht. Ich habe keine Stehplätze erkennen können. Fankurven, wo sich feindselige Emotionen breitmachen könnten, gibt es nicht. Schmierereien in den Toiletten und Aufkleber an allen erdenklichen Flächen? Fehlanzeige. Pyrotechnik? Völlig ausgeschlossen. Die Briten wissen sich zu benehmen. Deshalb nimmt man es mit der Kontrolle an den Eingängen auch nicht ganz so genau. Selbstverständlich dürfen die Damen ihre Handtaschen auch dann ins Stadion nehmen, wenn sie größer als A4 sind.

Das Ticketing ist eine Wissenschaft für sich.

Arsenal gehört zu den weltweit am stärksten nachgefragten Clubs. Normale Ligaspiele sind fast immer ausverkauft, deshalb läuft der Ticketverkauf fast ausschließlich über:

  • Gold Membership / Season Ticket (Dauerkarten-Inhaber)
  • Silver Membership (höheres Level, schnellere Kaufchance)
  • Red Membership (sehr populär)

Nur ganz selten gibt es einen öffentlichen Verkauf. Auf der Warteliste für ein Season Ticket (Dauerkarte) harren etwa 40.000 Leute aus. Bei Topspielen sind Tickets nach 1 bis 2 Minuten ausverkauft. Über ein Ticket Exchange können Gold Members ihre Karten verkaufen, aber auch nur an Mitglieder mit Red- oder Silver-Status. Es erscheint für einen Normalsterblichen fast unmöglich, ins Stadion zu kommen. Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, wie wir an die Tickets gekommen sind. Über den normalen Verkauf natürlich nicht. Da brauchte es schon einen Support der Extra-Klasse und die Arsenal-Apps auf den iPhones.

Warum heißt der Fußballclub „Arsenal“ so?

Der Verein wurde 1886 von Arbeitern der Royal Arsenal Munitions Factory in Woolwich gegründet, also in einer britischen Waffen- und Munitionsfabrik. Der Vereinsname war zunächst „Dial Square FC“, kurz darauf „Royal Arsenal“, anschließend „Woolwich Arsenal“ und schließlich nur noch „Arsenal FC“. Das Vereinslogo enthält seit 130 Jahren eine Kanone. Folgerichtig nennt man die Fußballer auch die „Gunners“. Die Fans nennt man dagegen die „Gooners“.

Der Weg zur U-Bahn war ein wenig verstopft, ähnlich wie in München. Apropos München. Am Dienstag konnte ich dann den Kontrast des Emirates Stadium zur Allianz-Arena erleben. Als Lennart Karl ausgewechselt wurde, gab es für ihn stehende Ovationen. Nach dem 3:1-Sieg (gegen Sporting Lissabon) kann Bayern nur noch theoretisch auf Platz 9 zurückfallen und damit das direkte Achtelfinale verpassen.

Dreimal so gute Stimmung, weil sich eben auch die Süd- und die Nordkurve verbal gegenseitig motivieren. Das gemeinschaftliche Zelebrieren des Torjubels mit dem obligatorischen Bayern-Schal ist unerreicht. Leider gibt es aber auch unter den Bayern-Fans gelernte Pyrotechniker.

Ich war mir lange Zeit sicher, dass sich Uli Hoeneß klar gegen Pyrotechnik positioniert hat und die Fans sich daran halten. Das ist leider ein Trugschluss. Nach dem ersten Verstoß beim Champions-League-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen im März 2025 verhängte die UEFA eine Geldstrafe von etwa 500.000 Euro und zusätzlich eine zweijährige Bewährungsstrafe mit der Androhung eines teilweisen Fanausschlusses, wenn es innerhalb dieser Bewährungszeit zu einem erneuten Pyro-Verstoß kommt. Das interessierte in der Südkurve einige Fans leider überhaupt nicht. Jetzt kommt es wahrscheinlich zu der angedrohten Teilsperrung der Südkurve beim nächsten CL-Spiel am 21. Januar 2026 gegen Union Saint-Gilloise.

Dabei kann der FCB noch von Glück sprechen, denn der Schiri hätte die Partie unterbrechen oder unter Umständen sogar abbrechen können.

50.000 oder 500.000 Euro Strafe?

Irritierend ist, dass sich die Plattformen bei der Höhe der Strafe vom März nicht einig sind. Der Merkur spricht von 500.000 Euro, die Plattform FCBInside dagegen von 50.000 Euro.

Wenn die UEFA schlau ist, verhängt sie die Blocksperre für drei Spiele, damit es auch im Achtelfinale so richtig wehtut.

Hier noch das typische finale Bild von der Allianz-Arena. Millionenfach fotografiert aber immer wieder schön anzuschauen.

Das Spiel hatte schon um 1845 begonnen, aber wenn man eine ganze Fußballmannschaft im Schlepptau hat, dann kommt man eben erst 0030 heim. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.


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