Die Hans-Böckler-Stiftung, die die Studie in Auftrag gegeben hat, ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes und hat das eingegliederte WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut), das sich mit Forschung und Beratung für eine faire und menschliche Arbeits- und Lebenswelt beschäftigt damit beauftragt, doch einmal klarzustellen, dass sich das Arbeiten eben doch lohnt. Die Studie kann man sich hier anschauen:
Die zwanzig Seiten kann man sich schon einmal genauer anschauen, während ich mich aber nur auf zwei Werte konzentriere: Den Nettolohnabstand und die zu Grunde gelegte Miete.
Die Rechnung ist einfach. Ein Mindestlohnempfänger geht 38 Stunden pro Woche arbeiten, um am Ende 557 Euro mehr zur Verfügung stehen zu haben. Bei 160 Stunden pro Monat ergibt das einen Nettostundenlohn von 3,48€. Wer keine Lust hat, für dieses schmale Geld früh aufzustehen und die fehlenden 557 Euro verschmerzen kann, ist im Bürgergeld sehr gut aufgehoben und wird konstatieren: Arbeit lohnt sich nicht.
Jetzt kommen wir zur Miete. Hier setzt die Studie für alleinlebende BGE (Bürgergeldempfänger) mit 451,73€ die gleiche Miete an wie für einen alleinlebenden Mindestlohn-Verdiener, der in München wohnt. Und damit werden eben Äpfel mit Birnen verglichen. Eine 50qm große Wohnung in München kostet bis zu 1.000 Euro Kaltmiete. Während dem Bürgergeldempfänger für ein Jahr die vollen Kosten erstattet werden, bekommt der Mindestlohnempfänger maximal 180,00 Euro Wohngeld, evtl. durch Wohngeld-Plus-Reform und Klimakomponenten noch ein paar Euro mehr. Nehmen wir großzügig an, dass das Wohngeld bei 250 Euro liegt. Die zu stemmende Miete läge dann bei 750 Euro und damit um etwa 300 Euro höher als in der Berechnung des WSI. Der monatliche Lohnabstand marginalisiert sich somit von 557 Euro auf 257 Euro.
In München funktioniert die Rechnung nicht.
Wenn meine Überlegungen aber falsch sind, wäre das umso besser. Denn dann müssten die BGE nach der Veröffentlichung der Studie ja nun schlagartig weniger werden. Auch der letzte BGE müsste nun begreifen, dass doch Arbeiten viel besser ist als nicht zu arbeiten. Wir sprechen immerhin von über drei Millionen erwerbsfähigen BGE. Es müsste jetzt einen nie dagewesenen Run auf die 1,18 Millionen offenen Arbeitsplätze geben.
Warum beschäftige ich mich mit diesem Unsinn. Ich wollte das doch in meinem Regierungsprogramm Teil VII ganz anders lösen. Denn Menschen, die das Bürgergeld kritisieren, gelten heutzutage schon als Spalter, Lügner, Sozialneid-Schürer. Da nutzt einem die Zugehörigkeit zur CSU gar nichts. Aber wenn wir schon nicht kritisieren dürfen, dann schaffen wir die Leistung eben ab.
Fazit:
Früher hieß es: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.
Heute heißt es: Trauer keiner Studie, die du nicht selbst bezahlt hast.
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