Dienstag, 03. November 2026

KI-generiertes Bild
Lieber Herr Röttgen,
ich war einigermaßen überrascht, folgendes Zitat von Ihnen zu hören:
„Es sind Einzeltäter, immer Einzeltäter.“
Lieber Herr Röttgen, war das Ihre Antwort auf die Frage von Verteidigungsminister Boris Pistorius, was denn eigentlich migrantische Gruppen seien?
Wie viele Einzeltäter braucht es, um eine Gruppe zu bilden? Zehn? Hundert? Tausend? Wenn mehrere Personen gemeinsam randalieren, Schaufenster einschlagen und Polizisten angreifen, dann handelt es sich Ihrer Logik zufolge offenbar um eine zufällige Ansammlung vollkommen unabhängig voneinander handelnder Individuen.
Bundesinnenminister Dobrindt sprach von gewaltbereiten linken Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu. Ich stimme ihm zu. Sie widersprechen. Selbstverständlich darf man nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund über einen Kamm scheren. Aber muss man deshalb mögliche Zusammenhänge gleich vorsorglich wegdiskutieren?
Einzeltäter – ich fasse es nicht
Lieber Herr Röttgen, ich erwarte von Politikern keine sprachlichen Verrenkungen, sondern eine nüchterne Beschreibung der Wirklichkeit. Wer gemeinsam mit anderen Gewalt ausübt, wird nicht dadurch zum Einzeltäter, dass er eigenhändig und ohne unmittelbare Unterstützung seiner Mitstreiter einen Molotowcocktail in Richtung eines Polizisten wirft. Schließlich handelt er möglicherweise ganz bewusst aus dem Schutz einer Gruppe heraus, deren Mitglieder angeblich nur auf der Suche nach besseren Schulbüchern waren.
Während draußen die Scherben zusammengekehrt werden, beschäftigt sich die Politik offenbar lieber mit der möglichst unverfänglichen Bezeichnung derjenigen, die sie verursacht haben.
Lieber Herr Röttgen, genau wegen solcher Auftritte kann ich Sie inzwischen nicht mehr ganz so gut leiden. Und eines sollten Sie bedenken: Auch tausend Einzeltäter ergeben irgendwann ein ziemlich handfestes Problem. Selbst dann, wenn Sie es nicht so recht wahrhaben wollen.
Ahmad Mansour und die unbequemen Fragen
Und überhaupt muss ich gar nicht besonders tief in die Materie eintauchen. Wozu haben wir schließlich Ahmad Mansour? Ich verweise auf seinen heutigen X-Beitrag, dessen Aussagen ich weitgehend teile, obwohl ich Mansour nicht persönlich kenne.
„Wer aus Angst vor falschen Antworten die richtigen Fragen nicht mehr stellt, macht sich nicht differenzierter. Er macht sich handlungsunfähig.“
Mansour beschreibt anschließend ein seiner Ansicht nach wiederkehrendes Muster: Nach Gewaltereignissen beginne zunächst eine Debatte über die Taten. Sobald jemand den Migrationshintergrund der Beteiligten anspreche, verlagere sich die Diskussion jedoch auf die Frage, ob die Herkunft überhaupt thematisiert werden dürfe.
Er fordert, über Sozialisation, Wertevermittlung, familiäre Strukturen und mögliche kulturelle Einflüsse auf Gewalt offen sprechen zu können. Gleichzeitig betont er, dass niemand aufgrund seiner Herkunft unter Generalverdacht gestellt werden dürfe.
Genau darum geht es doch: Probleme lassen sich nicht dadurch lösen, dass man mögliche Ursachen aus Angst vor unangenehmen Antworten gar nicht erst untersucht.
Und Mansour weiter auf X, weil er gerade in Fahrt ist:
Was wir erleben, sei eine Ideologie mit Namen, mit Feindesliste und mit einem geschlossenen Weltbild, das das Töten heilige: Juden, Christen, liberale Muslime, Atheisten, Schwule und queere Menschen. Jeder, der das Leben feiere, statt es einem Gebot zu unterwerfen, werde zum Feind erklärt.
Es läuft immer weiter in die falsche Richtung.
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