Montag, 05. Oktober 2026

Ich bin ein starker Verfechter der Bargeldabschaffung. Zu teuer, ineffizient, langweilig, Geldwäsche, fälschungsanfällig. Jetzt fällt mir ausgerechnet mein eigener Cousin in den Rücken. Er plädiert vehement für die Beibehaltung und hat mit seinen Argumenten in vielen Punkten recht. In diesem Dilemma denke ich an die Bachelor-Arbeit unseres Zweitgeborenen, der sich darin ausgerechnet mit welchem Thema befasste? Digitaler Euro.
Bargeldabschaffung heißt in der Tat in seiner schlimmsten Ausprägung: Totale Kontrolle. Strebt die EU das an? Ich möcht ihr das nicht unterstellen. Aber würden Sie Ursula von der Leyen wirklich Ihr Geld anvertrauen?
Und zwei weitere ungünstige Auswirkungen hat es, wenn politische Systeme sich ungünstig entwickeln. Wir sprechen über China mit seiner kompletten Überwachung der Bürger. Und wir sprechen leider auch über Deutschland mit Kontosperrungen bei misslieben Kritikern. Und dessen Konto gekündigt wird, der ist ökonomisch tot. Bei abgeschafftem Bargeld könnte man im schlimmsten Fall verhungern. Man bekommt keine Semmel mehr und auch keine Flasche Milch. Und weil die Banken alle im Privatbesitz sind, muss dich niemand mehr nehmen. Man steht einfach ohne Konto da.
Mit der Abschaffung von Bargeld müsste zumindest ein Grundrecht einhergehen, ein Konto besitzen zu dürfen. Das wäre ein Fall für die Sparkassen, die Anstalten des öffentlichen Rechts sind. Ich hatte das in irgendeinem Blog schon einmal vorgeschlagen: Ein unkündbares Konto ab der eigenen Zeugung bis zur erfolgreichen finalen Klärung aller Erbangelegenheiten im Todesfall.
Michael Mross spricht bei der Abschaffung des Bargeldes von einer Einführung „durch die Hintertür“ und bezeichnet Bargeld als Pfeiler der Freiheit. Aber die Freiheit des Bargeldes ist eben auch die Freiheit der organisierten Kriminalität.
Die bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten entwickeln sich im hohen Tempo. Die Sache scheint unaufhaltsam zu sein.
Die Bequemlichkeit, mit der Karte zu zahlen, habe einen hohen Preis, weil das Leben haarklein nachgezeichnet werden kann. Und so ist es auch. Ich zahle absichtlich nur noch mit der Kreditkarte, genau deshalb, um mein Leben der letzten Abrechnungsperiode noch einmal an mir vorbeiziehen lassen zu können. So weit so gut.
Aber ein politisches System, dass es schlecht mit den Menschen meint, könnte diese Möglichkeiten repressiv nutzen. Steht das in Deutschland zu befürchten? Durchaus. Die Linksradikalen haben beschlossen, den Kapitalismus zu stürzen. Ohne Repressionen geht das nicht, siehe die designierte Berliner Bürgermeisterin.
Elif Eralp steht als Unterzeichnerin unter einem Aufruf vom Januar 2020 mit dem Titel „Für eine antirassistische und migrantische Klassenpartei“. In der veröffentlichten Unterzeichnerliste wird sie ausdrücklich als „Elif Eralp, Linke Berlin“ geführt. Auch das von ihr mitgegründete Netzwerk Links*Kanax unterstützte den Text.
Politisch besonders bemerkenswert ist das grundsätzliche Selbstverständnis des Textes. Dort wird eine „kompromisslose Absage an den Imperialismus“ verlangt. Migranten sollen demnach nicht in erster Linie als Schutzbedürftige oder Opfer verstanden werden, sondern als Teil eines gemeinsamen Klassenkampfes. Am Ende wird als politisches Ziel beschrieben, gemeinsam das „kapitalistische System“ zu überwinden beziehungsweise zu stürzen.
Ich habe vollstes Verständnis, wenn man befürchtet, dass es ein Riesenproblem ist, wenn Linksradikalen solche Instrumente in die Hand gegeben werden.
Lustig finde ich das Argument, dass die Bezahlung per Karte den Schmerz bei der Bezahlung mit Geld ersetzt. Bei mir ist es andersherum. Ich denke mir immer: Ich halte doch nur die Uhr dran.
Und die Einführung von neuen Geldscheinen hält Michael Mross für einen Witz. Schon die Motive seien seltsam.
Ich selbst habe mir die Optionen bei den neuen Scheinen angeschaut. Hätte ich die Option, mir Motive auswählen zu dürfen, würde ich mich schwertun. Die Geldscheine wirken wie Spielgeld für Kinder, irgendwie beliebig, kein Bezug mehr zu Deutschland. Auch da hat Michael M. einen Punkt.
Bleibt noch das Argument eines totalen Strom- oder Netzwerkausfalles. Auch da ist die Kritik nicht von der Hand zu weisen. Eine Offline-Funktionalität hilft nicht unbedingt weiter. Sie deckt nur den Netzwerkausfall ab. Das Terminal müsste dagegen akku-gestützt weiterlaufen, damit ich im Supermarkt weiter bezahlen kann, wenn elektrisch der totale Blackout eingetreten ist.
In einer idealen, friedlichen, demokratischen, grundgesetztreuen Welt wäre die Abschaffung von Bargeld ein Riesenschritt für uns alle. Aber vor dem Hintergrund dessen, war wir hier grade erleben, könnte man fast auf die Idee kommen, dass es keine schlechte Idee ist, ein paar Tausend Euro als Bargeld in Reserve zu haben.
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