Dienstag, 13. Januar 2026

Nachdem ich mir den ovb-Artikel durchgelesen hatte, kamen die Erinnerungen an San Franzisco wieder hoch. Wer kennt sie nicht – die Transamerica-Pyramide. Wenn man in San Franzisco ist, dann kommt man an dem Gebäude nicht vorbei. Das zweite Wahrzeichen ist selbstverständlich…

…die Golden Gate Bridge. Dort sind wir mit geliehenen Fahrrädern hingefahren. Running Gag am Rande: Nachdem wir dem Fahrradverleiher unser Begehr mitgeteilt hatten, sagte er uns auf den Kopf zu, dass wir aus Deutschland kommen. Wir fragten zurück, woher er das denn wissen könne. Nun, meinte er, nur die Deutschen würden sich zusätzlich zu den Fahrrädern Fahrradhelme ausleihen. Die German Angst lässt grüßen. Das dritte Wahrzeichen ist natürlich…

Üblicherweise fährt man wie wir von San Francisco aus mit dem Fahrrad zur Golden Gate Bridge, überquert diese, fährt weiter nach Sausalito, sucht sich was zum Essen, wartet auf das Schiff Richtung Innenstadt und verbringt den Abend dort. Perfekter kann ein Tag nicht laufen.
Jetzt aber zurück zur BVK (Bayerische Versorgungskammer).
Die BVK soll etwa 690 Millionen Euro in den Sand gesetzt haben. Und wieder einmal setzte man auf amerikanische Immobilien. Geschichte wiederholt sich. Die weltweite Finanzkrise, die durch faule Hypotheken 2008 ausgelöst wurde, hat in den Köpfen der Finanzmakler keinen nachhaltigen Lerneffekt ausgelöst. Ein bayerischer Pensionsverein, dessen Aufgabe es eigentlich ist, die Rentenansprüche seiner Mitglieder langfristig und sicher zu verwalten, hat durch riskante Anlageentscheidungen einen großen Schaden verursacht. Geld ist verloren, das nicht spekulatives Kapital war, sondern die Rücklagen für die Altersversorgung von Menschen, die sich auf Verlässlichkeit verlassen haben.
Verantwortung ohne Konsequenzen?
Die verwalteten Beiträge, wurden oft über Jahrzehnte hinweg von Ärztinnen, Ingenieuren, Selbstständigen und Beamten eingezahlt – im Vertrauen darauf, dass dieses Geld konservativ, risikoarm und mit dem klaren Ziel der Sicherung von Rentenansprüchen angelegt wird. Offenbar wurden aber hochriskante Strategien verfolgt.
Das strukturelle Problem der Pensionskassen
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem vieler berufsständischer Versorgungswerke und Pensionsvereine. Sie müssen grundsätzlich mehr Geld auszahlen, als sie durch Beiträge einnehmen. Das führt zu einem gefährlichen Anlagedruck. Niedrige Zinsen, steigende Leistungsversprechen und politische Vorgaben führen dazu, dass immer höhere Renditen erzielt werden müssen. Somit wird ein Sicherheitsversprechen zu einem Renditewettbewerb. Wird damit Vertrauen bei den Beitragszahlern verspielt? Von wegen. Es gibt keinen Aufschrei, nichts. Warum nicht? Weil jeder weiß, dass der Steuerzahler stets und immer einspringt. Bei Erfolg wird privatisiert, bei Misserfolg sozialisiert.
Wer zahlt am Ende?
Persönliche Haftung, echte Sanktionen oder strafrechtliche Konsequenzen sind faktisch ausgeschlossen. Zwei Mitarbeiter ließ man über die Klinge springen. Das war es. In Zeiten, in denen von Bürgern mehr Eigenverantwortung für die Altersvorsorge gefordert wird, müsste ein solcher Vorgang eigentlich alle erschrecken. Dabei ist die Rechnung doch denkbar einfach. Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Nur beim Anlegen von Geld glaubt ganz Deutschland, dass es immer nur Gewinner gibt.
Die Lehre aus 2008 – zumindest auf dem Papier
Nach der Finanzkrise 2008 wurden zahlreiche Sicherungssysteme geschaffen oder verschärft. Ziel war es, genau das zu verhindern, was man damals erlebt hatte: übermäßige Risiken, Intransparenz, komplexe Produkte ohne echte Kontrolle und Entscheider, die Gewinne privatisieren und Verluste auf den Staat abwälzen.
Für Banken entstanden strenge Eigenkapitalvorschriften. Meldepflichten und klare Haftungsregeln wurden ausgearbeitet. Derivatehandel wurde reguliert, Risikomodelle überprüft, Aufsicht und Dokumentation massiv ausgeweitet. Stresstests wurden definiert. Auf dem Papier entstand ein dichtes Netz an Sicherungen. Blablabla usw. usf.
Stresstests – das war, ist und bleibt der lustigste Begriff in diesem Zusammenhang. Und klar ist auch, dass der Schaden noch höher sein könnte. Laut WeLT sieht sich die BVK bereits diversen Klagen ausgesetzt.
Heute sind wir großzügig. Rechnen wir deshalb doch einfach mit 1,5 Milliarden Euro Schaden. Leider wirkt sich der angerichtete Schaden nicht auf die gezahlten Pensionen aus. Das wäre notwendig, um auch dem letzten Optimisten klarzumachen, dass man Geld nicht einfach drucken kann.
Mal vorgetreten, wer wirklich glaubt, Pensionen für Millionen Pensionäre ließen sich auf Dauer und im großen Stil durch Geldanlagen erwirtschaften. Wer das glaubt, ist auch davon überzeugt, dass das Märchen vom Goldesel auf einer wahren Begebenheit beruht.
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