Venezuela ist der Präsident abhandengekommen.

Dienstag, 06. Januar 2026

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Die erste Meldung, die über den Bildschirm huschte, hielt ich für Fake News. Ich musste noch zwei Querchecks machen, damit ich das wirklich glauben konnte. Die Amerikaner sind einfach nach Caracas reingeflogen, haben da mit ein paar Raketen die Leibwache von Maduro ausgeschaltet, ihn und seine Frau in einen Helikopter gesteckt und sind wieder davongeflogen? Das war für eine kurze Zeit zu hoch für mich.

Despoten und Autokraten fürchten sich vor allem um eines: Den Verlust des eigenen Lebens. Deshalb lassen sie sich 24×7 stark bewachen. Ich hätte eine solche Aktion nicht für möglich gehalten. Man muss aber dazu wissen, dass es den Haftbefehl gegen Maduro bereits sein 2020 gibt. Die Festsetzung kommt somit nicht aus heiterem Himmel. Maduro konnte sich seiner Freiheit nie ganz sicher sein. Seit langem hat die USA nun wieder einen Migranten.

Details

Am 3. Januar 2026 startete die US-Regierung unter Präsident Donald Trump eine groß angelegte Militäraktion gegen Venezuela, bei der Ziele im nördlichen Venezuela, einschließlich der Hauptstadt Caracas, angegriffen wurden, um den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores festzunehmen. Die Operation „Operation Absolute Resolve“ umfasste Luftangriffe und den Einsatz von Spezialeinheiten, die Maduro und Flores überwältigten, anschließend per Lufttransport in die USA verbrachten und dort in New York vor Gericht stellten. Venezolanische und kubanische Quellen berichten von Dutzenden Toten, darunter mindestens 32 kubanische Sicherheitskräfte, während die US-Regierung die Aktion als Durchsetzung von Strafverfolgung gegenüber Maduro wegen Drogen- und Terrorvorwürfen darstellt, aber international heftige Kritik und Debatten über Völkerrecht und Souveränität auslöste.

„Das Völkerrecht ist hervorragend geeignet zum Bekämpfen der Blattlaus“.

Die Aussage des Historikers Michael Wolffsohn klingelt mir in den Ohren. Und weil auf allen Kanälen die toten Argumente wiederholt werden, klingelt es in meinen Ohren praktisch minütlich. Internationales Recht, Völkerrecht, regelbasierte Ordnung – alles für die Tonne. Sie sind für Länder wie China, Iran, Nordkorea und Russland nur eine Lachnummer. Und die USA schließen sich dem Narrativ jetzt an. Russland sprach vom Bruch des Völkerrechts. Lustiger wird es heute nicht mehr.

Trump befeuert das Narrativ, dass sich militärische Stärke durchsetzt.

Donald Trump macht nun haargenau das gleiche wie alle Schurkenstaaten. Natürlich ist es für das venezolanische Volk eine gute Nachricht, wenn der gehasste Präsident weg ist. Aber die Irritation darüber, ob die Aktion der Amerikaner verhältnismäßig war, bleibt.

Selbst Kanzler Merz scheint sich nicht ganz sicher zu sein, wie er die Gefangennahme bewerten soll. Seine zurückhaltenden Worte sind das einzig Richtige. Es spielt international eh keine Rolle, ob Deutschland harsche Worte für einen politischen Vorgang im Ausland findet oder nicht. Deutschland wird kaum noch beachtet. Die Ampelregierung mit Außenministerin Baerbock hat für Deutschland jeden Bonus verspielt.

Aufstieg und Niedergang der Ölindustrie Venezuelas

Die Krise der venezolanischen Ölindustrie kam ganz wesentlich durch die staatliche Kontrolle und die Enteignungen ausländischer Unternehmen zustande. Formal wurde der Ölsektor bereits 1976 verstaatlicht, doch erst unter dem 2013 verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez kam es ab 2005/2007 zu einer radikalen Neuordnung, bei der der Staat die Mehrheitsbeteiligung an allen Förderprojekten erzwang und die nationale Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela (PDVSA) zur dominierenden Akteurin machte. Mehrere US-amerikanische Konzerne wie ExxonMobil und ConocoPhillips verloren dabei ihre Beteiligungen an Förderprojekten im Orinoco-Gürtel und… schworen Rache.

Denn die Entschädigungen galten als unzureichend oder blieben umstritten, was zu internationalen Schiedsverfahren führte. In der Folge zogen sich Know-how, Investitionen und technologische Kapazitäten aus dem Land zurück, während politische Einflussnahme, Missmanagement und Korruption zunahmen. Der Sozialismus nahm seinen Lauf.

Die Kombination aus staatlicher Überzentralisierung, Sanktionen und Kapitalflucht ließ Produktion und Raffinerieleistung drastisch einbrechen – aus einem der größten Ölexporteure der Welt wurde binnen weniger Jahre ein Land mit massiven Versorgungsproblemen trotz riesiger Reserven. Sozialismus, geliefert wie bestellt, führt immer zu Armut. Jeder fünfte Venezolaner hat das Land in den letzten Jahren verlassen.

Ich verstehe deshalb nicht, warum linksgerichtete Politik in Deutschland eine derartige Renaissance erlebt, wo doch alle historischen Beispiele klar aufzeigen, dass jede Form des Sozialismus zum Scheitern verurteilt ist. Wie man an den deutschen Sozialsystemen erkennen kann, führt sogar das verkürzte Wort „sozial“ in die Pleite. Und dennoch bewegt sich Deutschland nach links. Woran liegt das? Berlin könnte wegen des Stromausfalls vermutlich grade ins Grübeln kommen. Sicher bin ich mir aber nicht.

Im Visier Trumps: Venezuelas schwarzes Gold

Trump hat nun ganz offiziell verkündet, dass man diesen Raub an der eigenen Ölbranche rückgängig macht. Ab sofort möchte man Venezuelas Ölindustrie kontrollieren. Die Kontrolle ausländischer Mächte kann sich ein stolzes Land wie Venezuela nicht gefallen lassen. Auch unter den Feinden Maduros wird sich Widerstand regen. Die USA können Venezuela nicht großflächig besetzen und sich am dortigen Öl bedienen. Das kann niemals gutgehen. Mir fehlt auch die Phantasie, wie man das praktisch ausgestalten will. Und wenn man dafür einen Plan hat, dann müsste man diesen Plan schon seit Jahren vorbereitet haben. Das würde mich bei Trump überraschen, der verbal eher gern einmal aus der Hüfte schießt.

Erfolglose amerikanische Interventionen in der Vergangenheit

Die Geschichte zeigt auch, dass Interventionen amerikanischer Geheimdienste und Streitkräfte in fremden Ländern keinen nachhaltigen Erfolg hatten.

  • Vietnamkrieg (1955–1975): Die massive militärische Intervention der USA zur Eindämmung des Kommunismus scheiterte trotz jahrelanger Truppenpräsenz und enormer Ressourcen. Am Ende siegte Nordvietnam, während die USA sich 1973 zurückzogen. Der Krieg hinterließ Millionen Tote, ein zerstörtes Land und gilt bis heute als strategischer und moralischer Fehlschlag der US-Außenpolitik.
  • Afghanistan (2001–2021): Nach den Anschlägen vom 11. September stürzten die USA das Taliban-Regime und versuchten, einen demokratischen Staat aufzubauen. Trotz 20 Jahren Militärpräsenz brach die von den USA gestützte Regierung nach dem Abzug 2021 innerhalb weniger Tage zusammen; die Taliban übernahmen erneut die Macht.
  • Irak (2003): Der Sturz von Saddam Hussein sollte Demokratie und Stabilität bringen, basierte jedoch auf falschen Annahmen über Massenvernichtungswaffen. Die Folge waren jahrelanger Bürgerkrieg, Hunderttausende Tote, Destabilisierung der gesamten Region und der Aufstieg extremistischer Gruppen wie des IS.
  • Libyen (2011): Die US-geführte NATO-Intervention trug zum Sturz von Muammar al-Gaddafi bei, hinterließ aber keinen funktionierenden Staat. Libyen zerfiel in rivalisierende Machtzentren, Milizen und Einflusszonen, mit anhaltendem Bürgerkrieg und regionaler Unsicherheit.
  • Somalia (1992–1994): Die humanitäre Intervention endete nach schweren Verlusten – insbesondere der „Black-Hawk-Down“-Episode – mit einem überstürzten Rückzug. Somalia blieb jahrzehntelang ein gescheiterter Staat ohne stabile Zentralregierung.

Und ausgerechnet jetzt soll alles besser werden?

Wo ist Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado?

Machado ist eine der zentralen Figuren der venezolanischen Opposition, deren Rolle sich in den letzten Monaten stark zugespitzt hat. Politisch lebte sie lange im Untergrund bzw. in Sicherheit, weil sie im eigenen Land massiven Sicherheitsbedrohungen und politischen Ausschlussmaßnahmen ausgesetzt war. Sie durfte selbst lange nicht offiziell für Ämter kandidieren. Seit der „Festnahme“ Maduros meldet sich Machado wieder deutlich zu Wort: Sie hat die US-Militäraktion gegen Maduro begrüßt, spricht von einem „Beginn der Freiheit“ für Venezuela und fordert, dass der Oppositionskandidat Edmundo González Urrutia als verfassungsmäßiger Präsident eingesetzt wird.

Nach Maduros Absetzung wurde Delcy Rodríguez vom Obersten Gerichtshof Venezuelas zur Interimspräsidentin ernannt, während Machado weiterhin ihre politische Agenda von außen bzw. aus sicherem Umfeld vertritt und für demokratische Strukturen und Reformen wirbt. Sie führt weiterhin den demokratischen Widerstand an, ist international prominent, aber auf dem politischen Spielfeld in Venezuela nicht voll handlungsfähig, weil sie bislang weder formell Regierungsverantwortung übernommen hat noch – trotz ihrer Popularität – in einer stabilen Übergangsregierung positioniert ist.

Es wird wohl neue – und hoffentlich friedliche und geheime – Wahlen brauchen, um sie in die Regierungsverantwortung zu bringen.

Wie es nun weitergeht

Die kubanische Regierung, ein enger Verbündeter Venezuelas, hat allen Anlass, sich zu fürchten. Kolumbien ist ebenfalls im Visier des Weißen Hauses. Trump lässt sich durch nichts und niemanden stoppen.

In irgendeinem Blog von mir habe ich vorausgesagt, dass Trump ohne Rücksicht auf eine Wiederwahl Dinge anpacken wird, die er aus taktischen Gründen in seiner ersten Amtszeit nicht angehen konnte. Selbst die Vereinnahmung Grönlands scheint ihm nicht zu hoch gegriffen zu sein.

„We need Greenland.“

Man muss damit rechnen, dass er das völlig ernst meint. Er möchte sich darum ungefähr in zwei Monaten kümmern. Das erklärt er auf irgendeinem Flug zwischen Tür und Angel. Ich bin geneigt, ihn ernstzunehmen. Die Übernahme Grönlands wäre allerdings gleichbedeutend mit dem Ende der Mitgliedschaft der USA in der Nato. Und nicht einmal das könnte bei Trump für einen Stimmungsumschwung sorgen.

Katie Miller, die Frau des Stellvertretenden Stabschefs des Weißen Hause, Stephen Miller, hat schon einmal eine die amerikanische Flagge über Grönland gelegt. Die Unterschrift war „soon“.

China und Russland sehen die Geschehnisse in Venezuela und die Ankündigung Trumps, Grönland zu übernehmen, als Freibrief für ihre eigenen geostrategischen Pläne. Wenn Kolumbien und Kuba durch Trump zu Fall gebracht werden, könnte ich damit leben. Wenn aber Taiwan von China überrollt wird, wäre weltpolitisch der Teufel los. Dagegen wären die Zustände in Berlin durch den Stromausfall nur ein laues Lüftchen.

Dark Times ahead.


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