
Immer wieder taucht der Tipp auf: „Räume dein Postfach und deine Cloud auf – das spart Wasser und hilft in Dürrezeiten.“ Der neueste Fall: Die britische Regierung ruft zum großen Datenputzen auf. Die Idee dahinter: Daten liegen in Rechenzentren, die gekühlt werden müssen. Kühlung kann – je nach Technik und Standort – Wasser verbrauchen. Klingt logisch. Aber: Wie groß ist der Effekt wirklich?
Wie viel Wasser verbrauchen Rechenzentren?
Für Rechenzentren gibt es den Kennwert WUE (Water Usage Effectiveness) – grob gesagt: Liter Wasser pro Kilowattstunde (kWh) IT‑Strom oder pro abgeführter Wärmemenge. Je nach Klima und Technik liegen typische Werte ungefähr zwischen 0,2 und 2 Liter pro kWh (Extremfälle darüber sind möglich; bei luft- oder kältemittelbasierter Kühlung sind es teils 0 Liter). Nicht jedes Rechenzentrum nutzt Wasser. Viele Betreiber setzen – je nach Standort – auf luftbasierte, adiabatische oder „Zero‑Water“-Kühlung und geschlossene Kreisläufe.
Wie viel Energie und Wasser kostet das „Lagern“ von Daten?
Um auf den Verbrauch von Wasser für das Speichern von Daten schließen zu könnten, müssen wir zunächst einmal wissen, wieviel kWh (Kilowattstunden) es braucht, um z.B. ein TB (Terrabyte) ein Jahr lang zu speichern. Seriöse Schätzungen für ein Terabyte (TB) pro Jahr liegen in einer Größenordnung von 20–100 kWh. Das ist zu vernachlässigen. Dementsprechend kostet es etwa 9 bis 90 Liter pro Jahr, um die Server, in denen die Festplatten stecken, zu kühlen.
Warum die Wirkung meist minimal bleibt
- Marginaler Effekt: Einzelne gelöschte Dateien ändern den Betrieb eines Rechenzentrums nicht. Die frei werdende Kapazität wird in der Praxis rasch wieder genutzt.
- Standortfrage: Daten liegen global verteilt. Selbst Einsparungen in großen Mengen betreffen nicht zwingend die lokale Wasserbilanz.
- Technikmix: Immer mehr Standorte kommen ohne Frischwasser aus bzw. nutzen Kreisläufe – dort bewirkt Daten-Aufräumen keinen Wassereffekt.
- Haupttreiber sind Rechenlasten: KI/ML‑Training, HPC und hohe Serverauslastung treiben Energie‑ und ggf. Wasserbedarf viel stärker als „kalte“ Datenspeicherung.
Was hat viel stärkere Effekte?
- Undichte Toiletten reparieren: Ein „leaky loo“ kann 200–400 Liter/Tag verschwenden – ein absoluter Hebel!
- Duschen verkürzen: Jede Minute weniger spart 10 bis 15 Liter.
- Wasserhahn abstellen: Beim Einseifen/Zähneputzen fließen schnell 5 bis 10 Liter.
- Wasch-/Spülmaschine voll beladen & Eco‑Programme nutzen.
- Garten smart bewässern: Regenwasser sammeln, morgens/abends gießen, Rasen seltener sprengen.
So muss eine Übersicht ausschauen, um etwas zu bewirken. Halbherzige Versuche, wie im Neumarkter Mitteilungsblatt bewirken nichts. Nebeneffekt: Diese Maßnahmen sparen nicht nur Wasser, sondern in der Regel auch Energie und damit Kosten. Wobei Energieeinsparung bei uns nicht mehr so stark im Fokus ist. Wenn in einem Raum aus Versehen das Licht die ganze Nacht brennt, führt das – Dank PV-Anlage und Speicher – nur noch zu einem Achselzucken.
Ja, Rechenzentren können Wasser verbrauchen. Aber das Löschen einzelner Mails und Bilder spart nur winzige Mengen – messbar erst, wenn Millionen Menschen Terabytes entfernen und Betreiber real Ressourcen reduzieren. Wer heute Wasser sparen will, erreicht mit den oben genannten Punkten viel mehr.
Jetzt kommt mein Statement zum Thema Datenminimierung
Weltweit werden aktuell rund 5,3 Milliarden Fotos pro Tag aufgenommen. Ein großer Teil davon landet automatisiert in Cloud-Diensten (iCloud, Google Photos, OneDrive & Co.) oder wird über Social/Chats in die Cloud hochgeladen. Realistisch sind 3 bis 4 Milliarden neue Fotos pro Tag in der Cloud. Je nach Bildgröße entspricht das ca. 5–21 Petabyte pro Tag (≈ 1,9–7,7 EB pro Jahr) an neuem Speicherbedarf. Für die Anfänger:
- 1 Bit (kleinste Informationseinheit, Strom/kein Strom)
- 1 Byte = 8 Bits, es lässt sich ein Zeichen darstellen, z. B. „A“)
- 1 Kilobyte (KB) = 1.000 Byte
- 1 Megabyte (MB) = 1.000 KB = 1 Million Byte
- 1 Gigabyte (GB) = 1.000 MB = 1 Milliarde Byte
- 1 Terabyte (TB) = 1.000 GB = 1 Billion Byte
- 1 Petabyte (PB) = 1.000 Terabyte = 1 Billiarde Byte (10^15)
- 1 EB (Exabyte) = 1.000 PB = 1 Trillion Byte (10^18)
Dieser Speicherwahnsinn, den wir mit unseren iPhones verursachen, muss gestoppt werden. Apple dürfte mit dem Bau von Rechenzentren kaum noch hinterherkommen. Diese Projekte fressen unfassbare Ressourcen. Hier muss angesetzt werden.
Ein Cent pro Foto.
Mein Vorschlag ist, dass jedes Foto, das geschossen wird und mehr als eine Woche in der Cloud liegt, einmalig einen Cent kostet, direkt abgebucht von der Kreditkarte. Die Polen würden einen Groszy bezahlen, die Engländer einen Penny, usw. Man könnte ein Motiv weiterhin 30 Mal fotografieren, müsste dann innerhalb der nächsten Woche aussortieren. Dieser eine Cent würde sofort zu einem defensiven Umgang mit dem Fotografieren sorgen. Jeder würde sich plötzlich jeden Abend fünf Minuten Zeit nehmen, um seine am Tag gemachten Fotos zu sortieren. Der Hype um das Fotografieren wäre schlagartig vorbei. Wobei ich mich sowieso frage, wieviel Prozent der gemachten Bilder jemals wieder angeschaut werden. Selbst dafür gibt es Statistiken. Google meint, dass 50% aller Fotos nie wieder geöffnet werden. Eine Umfrage in UK ergab, dass 75% aller Bilder dem Desinteresse zum Opfer fallen.
Raw-Modus bei Fotos? Sinnlos.
Es spielt keine Rolle mehr, ob wir ein Foto mit der höchstmöglichen Auflösung aufnehmen oder nicht. Bei Videos habe ich ein gewisses Verständnis für die perfekte Qualität. Abei Fotos kann Ottonormalverbrauche nicht erkennen, ob ich auf meiner Homepage ein Bild mit 150k onlinestelle oder mit 5MB. Genau deshalb minimiere ich die Bilder. Denn auch der Hoster Dogado muss die Bilder irgendwo speichern.
Das Argument, Apple würde ja schon mehr Geld vom User kassieren, wenn der die icloud-Kapazität ausgeschöpft hat, zieht nicht. Es geht nicht um Geld. Es geht um Ressourcenschonung und damit um Umweltschutz. Jedes einzelne Foto muss einen gewissen Schmerz auslösen.
Videos sollten übrigens 10 Cent kosten, egal auf welchen Plattformen sie gespeichert bzw. veröffentlicht werden.
Das weltweit zentral gesammelte Geld könnte Hilfsprojekten zur Verfügung gestellt werden. Dafür könnte man weltweit sämtliche Entwicklungshilfeministerien abwickeln.
Thema E-Mails.
Im privaten Bereich befinden sich Mails auf dem Rückzug, im dienstlichen Bereich auf dem Vormarsch. Im privaten Bereich sind 95% aller Mails Schrott, sprich: Werbung. Die Digitalisierung schreitet nicht voran, weshalb ich meine Zahnarztrechnung immer noch per Post bekomme, natürlich in zweifacher Ausfertigung.
Im dienstlichen Bereich greift die Sozialisierung von Problemen um sich. Immer mehr Menschen sind beim Verschicken einer E-Mail nur dann mit sich zufrieden, wenn mindestens fünf Kollegen auf cc gesetzt sind und die eigene Signatur mindestens eine DIN-A4-Seite lang ist. Hier habe ich noch keine Lösung, bzw. habe ich aufgegeben.
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