Lokales: Jugendbudget passiert Finanzausschuss.

Dienstag, 15. September 2026 (Update)

Gestern hatte ich den Antragstext noch nicht. Aber – jetzt nach der Sitzung – schaut es besser aus. Der Antragstext ist wichtig, weil daraus hervorgeht, dass der ovb in seinem Bericht am Samstag um den Antrag herum etwas konstruiert hat, was mit dem Antrag überhaupt nichts zu tun hat. Schauen wir uns den Text an, der so formuliert ist, dass es formal wenig zu kritisieren gibt. Hier ist der Text:

Antrag zur Etablierung eines Jugendbudgets für Jugendliche

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Stefan Streck,

Jugendliche sollen frühzeitig die Mögüchkeit erhalten, Verantwortung zu überenmen und eigene Ideen aktiv umzusetzen. Ihre Kreativiten, Eigeninitietive sowie demokratische Beteiligung salien unbedingt gutbrdert werden, Ziel ist außercam, die identifikation junger Menschen mit ihrer Heimetgameinde zu stärken und kommunalpolitsches Engagement frühzeitig zu fördem. Die Fraktian von Bündnis 90/Die Gronen im Stadtrat von Neumarkt-Sankt Veit beantragt deher die Etablierung eines Jugencbudgets mit Beginn ab Januar 2027.

Bereits mit geringen finanzielien Mitteln können soziale, kulturelle, sportliche, ökologische oder gemeinschaftsfördernd Projekte realisiert werden, die einen positiven Mehrwert ffür die Gemeinde schaffen.

Dier Projekte solian innerhalb einer Bewerbungsfrist einzeln oder als Gruppe eingereicht werden. Die Bewerbung sall dabei eine kurze Beschreibung der ldeen sowie eine grobe Kostenübersicht enthalten.

Vorschlag Vergabeverfahren und RahmenbedingungenFür Jugendliche, die im Gemeindegebiet von Neumarkt-Sankt Velt wohnhaft sind

  • Jugendliche von 12-18 Jahren können Anträge stellen
  • Bewerbungsfrist für Projekte von Januar bis März
  • Verfügbares Budget von 1.000€/Jahr
  • Über Projekte entscheidet eine Jury, bestehend sus 1. Bürgermeister Stefan Streck, Silke Auer, Lukas Dietrich, Tina Winterer, sowie einer Vertretung aus der Verwaltung (Julia Hermannstaller)
  • Die Jury kann entweder nur ein Projekt und damit die vollen finanziellen Mittel zulassen, oder das Budget auf mehrere Projekte verteilen
  • Bedingung ist, dass die deen von Jugendlichen und für Jugendliche eingebracht und umgesetzt werden
  • Es werden ausdrücklich keine Vereinsvorhaben umgesetzt

Damit das Vorhaben bekannt wird, sollen gegen Jahresende Plakate im Stadtgebiet aufgehängt werden, sowie die Social-Media-Kanale und Publikationen der Stadt genutzt werden. Die Designvorlage hierfür stellt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Das Jugendbudget solt zunächst als Versuch für ein Jahr erprobt werden. Am Ende des Jahres 2027 kann bei einem Abschlusstreffen der Jury die Akzeptanz und der Erfolg des Projektes evaluiert und über eine Verlängerung entschieden werden.

Freundliche Grüße

Tina Winterer

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Neumarkt-Sankt Veit

Wir vergleichen den Antragstext und stellen fest: Der Begriff „Finanzspritze“ kommt ebenso wenig vor wie das Thema Jugendtreff, das Thema Badstraße, das Thema Thaller-Schmiede oder der Satz, Luxus müsse warten.

Das ovb hat somit meiner Meinung nach tendenziös skeptisch berichtet und verleitete mich damit zu der falschen Annahme, dass der Finanzausschuss der Sache zurückhaltend gegenüberstehen könnte. Tatsächlich ging der Antrag nach vier Wortmeldungen glatt durch.

Jetzt bin ich gespannt, wie der ovb im Bericht zur heutigen Finanzausschusssitzung umschwenken wird. Aber geht das überhaupt? Dazu hätte ein ovb-Redakteur anwesend sein müssen. Tatsächlich blieb der Presse-Tisch unbesetzt. Aber mit mir waren zumindest vier Zuschauer da.

Inhaltlich kann man weiterhin natürlich etwas sticheln. Ich war 12 Jahre Trainer beim TSV und in dieser Zeit auch vier Jahre in der Abteilungsleitung.

Montag, 14. September 2026

Ich muss mittlerweile zwei Links präsentieren, weil das Wording und die Bilder unter ovb-heimatzeitungen (also die Printausgabe) und der online-Ausgabe nicht immer deckungsgleich sind.

„Finanzspritze für Jugendliche“

Bei einer Finanzspritze ist eigentlich zuerst das Projekt da, welches dann unterstützt wird, nicht andersherum. Und wer sind eigentlich „Jugendliche“. Ich kann mir grade nicht vorstellen, wie die Jugendlichen – so ganz ohne Anleitung – ein Projekt in einer Qualität entwickeln, die dem kritischen Blick der Stadträte, der Verwaltung und einer Jury standhalten. Es rächt sich jetzt, dass rückschrittliche Stadträte den JUVO (Jugendpfleger vor Ort) abgelehnt haben. Der JUVO wäre die richtige Person, bei der die 1.000 Euro in guten Händen wären.

Wo könnte ein Jugendtreff einziehen?

Ich habe versucht, den Antrag zu bekommen, weil mich interessiert, ob diese Frage im Antrag der Grünen überhaupt thematisiert wird. Den Antrag habe ich nicht bekommen, aber ich hoffe, dass er morgen vollständig verlesen wird.

Der Turm 1542 muss erst einmal saniert werden.

Wenn man etwas „sanieren“ muss, dann heißt das nichts anderes, als dass man vorher untätig war. Das ist der eigentliche Skandal in Sachen Jugendförderung. Wer lässt sein Eigentum eigentlich verrotten? Hier war es die Stadt Neumarkt-Sankt Veit. Eigentum verpflichtet? Nicht bei uns.

Zur Debatte steht auch die Thaler-Schmiede (rechts oben). Ein schmuckes Gebäude.“

Welcher Jugendliche würde denn in dieses „schmucke“ Gebäude einziehen. Da sitzen die Jugendlichen lieber auf der Baumelbank davor. Schmuckes Gebäude. Ich kann nicht mehr.

Aber auch die Badstraße (rechts unten) will und könnte den Haushalt zusätzlich belasten. Luxus muss dann zurückgestellt werden.

Ein Budget von 1.000 Euro repräsentiert hier den zurückzustellenden Luxus? Wessen Aussage genau ist das? Was haben 1.000 Euro für die Jugend mit der Badstraße zu tun?

„Jugendliche sollen motiviert werden oder die Möglichkeit haben, Projekte ins Leben zu rufen oder mit Ideen vorstellig zu werden, wofür sie dann aus diesem Budget Geld erhalten!“

Welche Jugendlichen hat man hier im Blick? Die Jugendlichen, die den Fußballkäfig verunstaltet haben? Oder jene, die mit Graffiti in der ganzen Stadt auffallen? Sprechen wir vielleicht über die Jugendlichen, die die Bänke im Schlossgarten so beschädigt haben, dass sie abgebaut werden mussten? Oder sind jene gemeint, die mit roter Farbe männliche Geschlechtsteile auf die Elsenbacher Straße gemalt haben? Mir erschließt sich nicht genau, wie und wo sich die Jugendlichen zusammenfinden könnten, um die Ideen zu entwickeln.

„Die Vorschläge und Ideen“, so der Plan, „werden eingereicht, von einer Jury geprüft und das Budget dann entsprechend verteilt“

Ich bewerbe mich hiermit offiziell um einen Platz in der Jury. Ich glaube nicht, dass man Geld einfach so „verteilen“ kann. Normalerweise wird das Geld „verteilt“, indem man Rechnungen bezahlt. Aber ich bin wahrscheinlich schon zu kleinteilig unterwegs. Ich muss mehr das Große und Ganze sehen.

„Immer wieder gab es Bemühungen, doch alle Wiederbelebungsversuche des Jugendtreffs scheiterten bislang.“

Immer wieder? Wer, wann, wo? Ich verfolge die Lokalpolitik schon recht lange. Ich kann mich an keine Bemühungen erinnern. Jetzt kann ich natürlich auch senil sein. Mal das Internet fragen. Der Turm ist seit 2012 geschlossen. 2013 kam schon der JUVO auf die Tagesordnung. Damit haben wir bereits das Muster, das sich später wiederholt, aber eben nicht „immer wieder“, sondern zwischen 2015 und 2023 überhaupt gar nicht: Turm leer, Idee vorhanden, Bedarf unklar, Kostenfrage offen, Ende der Durchsage. Alle legen sich wieder hin.

Es gelte, einen Schritt nach dem anderen zu denken.

Fünf Euro ins Phrasenschwein. Ich tippe jetzt mal, wie es ausgeht. Den Antrag ablehnen, kommt nicht gut an. Für eine Zustimmung sehe ich aber einen ganzen Fragenkatalog auf die Antragsteller zukommen, falls sich der Stadtrat überhaupt dafür interessiert. Also bleibt das Übliche: Der Antrag wird zurückgestellt.

Jugendrat der Stadt

Wie gerne ich doch in der Historie recherchiere um zu beweisen, wie sich Geschichte wiederholt. Schauen wir uns den ovb-Bericht vom 10.03.2015 an. Man sieht: Alles nur Gedankenspiele. Schon damals dachte man einen Schritt nach dem anderen, vergaß aber, den ersten Schritt dann auch zu gehen.

Damit ergibt sich eine Chronologie

2010 scheiterte der Versuch, durch eine fest angestellte Betreuerin regelmäßige Öffnungszeiten anzubieten. Wegen mangelnden Interesses wurde das Modell nach rund sechs Monaten beendet.

Ende 2012 löste sich die Jugendaktionsgruppe Neumarkt-Sankt Veit auf.

2013 wurde erstmals über den JUVO des Landkreises diskutiert. Gleichzeitig kam die Idee auf, den Turm wiederzubeleben. Eine Entscheidung über den JUVO wurde zunächst vertagt.

2013/2014 entstand aus Gesprächen mit Schülern eine Initiative für den Turm. Jugendliche führten kleinere Reparaturen durch und wurden aus Haftungsgründen offiziell zum Jugendrat der Stadt erklärt.

Und dann: Funkstille.

Jedenfalls finde ich bislang für den Zeitraum von 2015 bis 2022 keine dokumentierte kontinuierliche Wiederbelebung des Turms und auch keine belastbare Spur eines dauerhaft aktiven Jugendrats. Von wegen „immer wieder“ Bemühungen.

Erst 2022/2023 beginnt die Diskussion praktisch wieder bei null.

Es gibt somit bei der morgigen Sitzung des Finanzausschusses um 1830 im Rathaus, zweiter Stock, Sitzungssaal, einiges zu besprechen. Ich bin gespannt.


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