Donnerstag, 22. Januar 2026

Ralph Pfaffenhuber (links) und David Eberl
Die beiden Augenoptikermeister Ralph und Angela Pfaffenhuber eröffneten ihr Geschäft am 01.08.1998 und führten es erfolgreich mehr als 27 Jahre. Am 31.12.2025 haben die Pfaffenhubers ihr Engagement beendet und den Staffelstab an ihren Nachfolger David Eberl übergeben, der den Laden am Stadtplatz nach kurzer Umbauphase am 19. Januar eröffnet hat. Der 31-jährige Augenoptiker und Meister seines Faches David Eberl ist ledig und wohnt in Vilsbiburg. Bisher war er Angestellter in Landshut.
Das Geschäft läuft. Schon während des kurzen Gespräches betraten mehrere Kunden den Laden. David Eberl hat auch versprochen, dass Kleinstreparaturen kostenlos bleiben.
Ralph Pfaffenhuber hat keinen Zweifel, dass David Eberl erfolgreich sein wird, unterstützt ihn bis auf Weiteres aber noch einen Tag in der Woche. Sehr honorig, Herr Pfaffenhuber.
Wir wünschen dem symphatischen David Eberl viel Erfolg.
Running Gag: Spekuliereisen hat nichts mit Reisen zu tun, wie ein Kunde, der zur Tür reinkam und flugs eine Reise buchen wollte, versehentlich glaubte. Spekuliereisen ist ein ganz alter deutscher Begriff für Brille. Spekulieren stammt ab von dem lateinischen Wort speculum = Spiegel, Sehgerät, Betrachtungsinstrument. Spektakel ist ein weiteres Wort aus dem gleichen Wortstamm.
👓 Die Erfindung der Brille – eine unscheinbare Revolution
Kaum ein Alltagsgegenstand ist so selbstverständlich wie die Brille. Sie liegt auf dem Nachttisch, steckt in der Jackentasche oder sitzt den ganzen Tag auf der Nase. Und doch gehört sie zu den bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Ohne großes Aufsehen hat sie Bildung, Wissenschaft und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig verändert.
📜 Eine Erfindung des späten Mittelalters
Erfunden wurde die Brille gegen Ende des 13. Jahrhunderts, also etwa zwischen 1280 und 1290. Als Ursprungsregion gilt Norditalien, insbesondere das kulturell und handwerklich hochentwickelte Umfeld von Florenz. Dort trafen mehrere Voraussetzungen aufeinander:
- fortschrittliche Glasherstellung
- präzises Linsenschleifen
- eine gebildete, lesende Bevölkerung – vor allem Klerus und Gelehrte
Die ersten Brillen bestanden aus zwei konvex geschliffenen Glaslinsen, die Altersweitsichtigkeit korrigierten. Bügel gab es noch nicht. Die Gläser waren vernietet und mussten mit der Hand gehalten oder auf die Nase geklemmt werden – funktional, aber alles andere als bequem.
👤 Wer war der Erfinder?
Einen namentlich gesicherten Erfinder gibt es nicht. Immer wieder wird Salvino degli Armati genannt, doch diese Zuschreibung gilt heute als historisch nicht belegt. Ein sehr wichtiger zeitgenössischer Hinweis stammt von Giordano da Pisa. Er erwähnte 1306 in einer Predigt, dass die Kunst, Brillen herzustellen, noch keine 20 Jahre alt sei. Das passt erstaunlich gut zur Datierung um 1285 und gilt als einer der zuverlässigsten Belege zur Entstehung der Brille.
📚 Wissen plötzlich für alle erreichbar
Die gesellschaftliche Wirkung der Brille kann kaum überschätzt werden. Bis zu ihrer Erfindung bedeutete nachlassende Sehkraft oft das Ende des Lesens, Schreibens und Lehrens – gerade für ältere Menschen. Mit der Brille änderte sich das grundlegend:
- Gelehrte konnten länger arbeiten
- Mönche und Schreiber konnten weiter kopieren und studieren
- Wissen blieb nicht mehr an ein junges Alter gebunden
Die Brille verlängerte gewissermaßen die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen – ein stiller, aber enormer Fortschritt.
👓 Technischer Fortschritt über Jahrhunderte
Die Entwicklung der Brille verlief langsam, aber stetig:
- 14. Jahrhundert: Verbreitung in ganz Europa
- 15. Jahrhundert: Erste konkave Gläser für Kurzsichtige
- 18. Jahrhundert: Einführung der Bügelbrille
- 19./20. Jahrhundert: Industrielle Fertigung, präzise Optik
- Heute: Hightech-Brillengläser, Gleitsicht, Entspiegelung, Designobjekte
Bemerkenswert ist: Das Grundprinzip der Brille ist über 700 Jahre alt – und bis heute unverändert.
🧠 Eine stille Schlüsseltechnologie
Im Gegensatz zu spektakulären Erfindungen wie Dampfmaschine oder Computer wirkt die Brille fast unscheinbar. Doch ohne sie wären: Buchdruck, Wissenschaft, Verwaltung, Schulbildung in dieser Form kaum denkbar gewesen. Die Brille ist damit eine der wichtigsten „unsichtbaren“ Technologien der Zivilisation – klein, unspektakulär, aber unverzichtbar.
✍️ Fazit
Die Brille ist mehr als eine Sehhilfe. Sie ist ein Symbol für den menschlichen Wunsch, Grenzen zu überwinden – selbst die des eigenen Körpers. Seit dem 13. Jahrhundert ermöglicht sie Millionen Menschen Zugang zu Wissen, Kultur und Teilhabe. Eine Erfindung, die bis heute wirkt – Tag für Tag, Nase für Nase.
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