Papst Leo XIV., Neujahrsansprache, Orwellsche Sprache im Westen

Donnerstag, 15. Januar 2026

„Es gibt zunehmende Versuche, Sprache neu zu definieren, um Denken, Debatte und letztlich die Freiheit selbst zu begrenzen.“

So sagte es der Papst in seiner Neujahrsansprache am 09. Januar vor den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern. Das Netz jubelt, weil Papst Leo etwas von „Orwellscher“ Sprache gesagt hat. Hat er? Tatsächlich.

Ich bin bei Videos ein wenig vorsichtig, es scheint aber echt zu sein. Er hat es wirklich gesagt. Und er hat virtuell mit dem Finger ganz sicher auf Deutschland gezeigt. Denn in Deutschland läuft es weiterhin schlecht.

https://www.focus.de/panorama/welt/berliner-gymnasium-laesst-literaturklassiker-in-vereinfachter-sprache-lesen_c0c262f1-266b-4410-b824-25ac6a7afd49.html

Berlin zum Beispiel ermöglicht es Gymnasien, Goethe und Schiller in „vereinfachter Form“ lesen zu lassen. Ich muss schmunzeln, weil ich grade mit dem Schiller-Buch fertiggeworden bin. Oder besser gesagt: Ich habe mich durchgekämpft. Einfach war es nicht. Ich habe sehr lange gebraucht. Es war sehr anstrengend. Jede Zeile von jedem Vers in dem Buch beginnt mit einem Großbuchstaben, egal, ob der Satz vorher zu Ende war. Es war wirklich nicht leicht zu lesen. Manchmal hatte ich Ideen, wie man das flüssiger hätte reimen können. Ich habe auch nicht alles verstanden.

Wer aber in Deutschland studieren möchte, der sollte sich im Gymnasium schon einmal mit Schiller oder Goethe beschäftigen müssen. Das ist nicht zu viel verlangt. Und wenn migrantische Schüler damit Schwierigkeiten haben, dann müssen diese Schüler diese Schwierigkeiten überwinden. Es geht immerhin um die Schönheit der deutschen Sprache. Schiller hat die Schönheit der Sprache bis aufs Äußerste ausgereizt.

Dem Ansatz der Vereinfachung widerspricht zum Beispiel der Lehrerverbandspräsident Stefan Düll. Er beklagte im August eine Flut an Einser-Abis, der CDU-Bundestagsabgeorndete Christoph Ploß eine Noten-Inflation.

Deutschland fehlt aber die Flexibilität, dem zu begegnen. Man lässt es einfach laufen.

Die Meinung von Bildungsexperte Josef Kraus ist klar. Früher sei ein Abi-Zeugnis mit 2,0 ein Spitzenzeugnis gewesen. Die Abituransprüche seien in den letzten Jahren aber erheblich heruntergefahren worden. Selbst ein Abiturzeugnis von 1,0 sei kein Garant für einen Medizinstudienplatz. Das sei eine schreiende Ungerechtigkeit gegenüber den Gymnasiasten, die auch bei viel strengeren Abiturprüfungen die 1,0 geschafft hätten. Damit würden die Abiturzeugnisse entwertet. Gleichzeitig seien die Bildungsmängel so groß, dass die Universitäten selbst mit „Liftkursen“ die Lücken nicht schließen könnten und zunehmend auf Zugangsprüfungen setzen müssten. Kraus forderte Bundesländer mit strengerem Abitur dazu auf, wertlose Abiturzeugnisse einfach nicht mehr anzuerkennen. Dann käme Leben in die Abiturbude, so Kraus.

Papst Leo hat mich in meiner Ansicht gestärkt, auf gar keinen Fall zu gendern. Ich bin mir jetzt auch ganz sicher: Ich bleibe katholisch.


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