Samstag, 10. Januar 2026

Als der schiitische Geistliche Ruhollah Khomeini (1902-1989) am 1. Februar 1979 mit einer Maschine von Air France nach Teheran zurückkehrte, war das der symbolische Schlusspunkt eines politischen Erdbebens – und zugleich der Beginn eines Regimes, das den Iran bis heute prägt. Weniger bekannt ist jedoch die zweifelhafte Rolle Frankreichs in dieser Phase. Denn ohne den Aufenthalt Khomeinis im französischen Exil und den Fehleinschätzungen der französischen Regierung hätte die iranische Revolution womöglich nicht stattgefunden.
Eigentlich hätte der Mossad schon längst auf ihn aufmerksam werden und reagieren müssen. Aber selbst der israelische Geheimdienst bringt nicht wahllos Menschen um. Eine Tötung des alten Geistlichen, der unter dem migrantischen Schutz Frankreichs stand und gegen den faktisch nichts vorlag, hätte damals zu starken Spannungen geführt. Israel greift Mächte an, nicht Rhetorik.
Exil in Frankreich – ein scheinbar harmloser Akt
Nachdem Khomeini 1964 aus dem Iran verbannt worden war, lebte er lange Jahre im Irak. Erst als das Baath-Regime ihn 1978 unter Druck setzte, fand er Aufnahme in Frankreich, genauer gesagt im Dorf Neauphle-le-Château bei Paris. Erster Fehler. Die damalige französische Regierung unter Präsident Valéry Giscard d’Estaing behandelte Khomeini zunächst wie einen unauffälligen politischen Exilanten – nicht wie einen zukünftigen Revolutionsführer. Zweiter Fehler. Man war blind für die Gefahr.
Frankreich verstand sich als Asylland mit liberalen Grundwerten. Das ist der dritte Fehler, der bis heute nachwirkt und sich noch verstärkt.
Politisches Exil galt als Ausdruck der Meinungsfreiheit, nicht als außenpolitische Intervention. Vierter Fehler. Denn genau diese Haltung sollte sich als schwerwiegende Fehleinschätzung erweisen.
Medienfreiheit als Brandbeschleuniger
Was Frankreich unterschätzte, war die Wirkung westlicher Medienfreiheit. Fünfter Fehler. Von Neauphle-le-Château aus konnte Khomeini nahezu ungehindert Interviews geben, Tonbandbotschaften aufnehmen und internationale Journalisten empfangen. Sechster Fehler. Seine Reden wurden millionenfach kopiert, in Moscheen abgespielt und im Iran verteilt. Folgefehler.
Frankreich bot ihm – gewollt oder nicht – eine mediale Plattform, die man ihm im Nahen Osten in dieser Form nicht gegeben hätte. Khomeini erschien plötzlich nicht mehr nur als religiöser Hardliner, sondern als charismatischer Gegenspieler des Schahs – ein Narrativ, das auch bei europäischen Politikern lange verfing. Siebter Fehler.
Das kennen wir. Der Islam wird noch heute als friedliche Religion gesehen. Die Einschläge sind noch nicht nah genug. Bei den Iranern schaut das anders aus. Sie wissen, unter welchem brutalen Regime sie leben.
Die ARD befindet sich dagegen weiterhin im Tiefschlaf und berichtete gestern bei der Tagesschau zehn Minuten lang über das Leben von Obdachlosen in dem über uns gekommenen Winter. Ich musste mir zur besten Sendezeit anschauen, wie sich ein Obdachloser Zucker in den Kaffee schüttet.
Der Focus ist schon ein Stück weiter und berichtet über die Geschehnisse in einem Krankenhaus in Ilam, in dem Demonstranten mit Schussverletzungen aufgenommen und behandelt wurden. Es dauerte nicht lange, bis die Revolutionsgarden erschienen. Die Angehörigen der Patienten hatten das schon geahnt und den Krankenhauseingang blockiert. Die friedliche Religion schoss sich den Weg mit Schrotflinten frei und nahm die schwerverletzten Patienten mit. Weniger schwer verletzte Menschen flohen rechtzeitig durch einen Hinterausgang.
Fehlannahmen über den politischen Islam
Ein zentraler Grund für das damalige französische Vorgehen lag in der falschen Analyse Khomeinis. Viele westliche Diplomaten hielten ihn für eine Übergangsfigur – einen religiösen Moralisten, der nach dem Sturz des Schahs Platz für eine gemäßigte, vielleicht sogar demokratische Ordnung machen würde. Die Fehlerkette setzt sich lustig fort, weil westliche Politiker sich die Dinge wie üblich nach eigenem Gusto zurechtlegen. Pure Realitätsverweigerung.
Der politische Islam wurde nicht als eigenständige, totalitäre Ideologie erkannt, sondern als kulturelles Gegengewicht zu einer als korrupt empfundenen Monarchie. Dass Khomeini selbst eine theokratische Diktatur anstrebte, wurde entweder ignoriert oder bewusst verdrängt. Eher Zweiteres.
Geopolitische Bequemlichkeit
Hinzu kam eine gewisse Distanz zu den Interessen des damaligen Schahs. Zwar war der Iran ein wichtiger Partner des Westens, doch das autoritäre Auftreten von Mohammad Reza Pahlavi machte ihn politisch schwer verteidigungsfähig. Menschenrechtsfragen, Proteste und Repressionen belasteten sein Image – auch in Paris.
Frankreich sah in der iranischen Opposition weniger eine Bedrohung als vielmehr eine interne Angelegenheit. Dass ein Umsturz globale Folgen haben würde – vom Iran-Irak-Krieg bis zur heutigen Konfrontation mit dem Westen – diese Weitsicht hatten die europäischen Politiker 1979 offenkundig nicht. Und diese historischen Fehler werden heute noch nicht gesehen.
Der Moment der Entscheidung – und des Wegsehens
Als klar wurde, dass Khomeinis Rückkehr unmittelbar bevorstand, hätte Frankreich theoretisch eingreifen können: durch Ausreisebeschränkungen, durch diplomatische Verzögerung oder zumindest durch öffentliche Distanzierung. Nichts davon geschah. Man ließ ihn ziehen – aus rechtlichen Gründen, aus politischer Bequemlichkeit und aus einem tief verankerten Glauben an die Neutralität des eigenen Handelns. Diese Neutralität erwies sich im Nachhinein als Illusion.
Frankreich hat Khomeini nicht aktiv an die Macht gebracht. Aber es hat ihm Raum, Schutz und Öffentlichkeit gegeben – in einem historischen Moment, in dem genau das den Ausschlag gab. Die Entscheidung von 1978/79 steht exemplarisch für westliches Versagen: die Unterschätzung ideologischer Bewegungen, wenn sie sich religiös tarnen und den Mantel des Anti-Autoritarismus tragen.
Der Preis dieser Fehleinschätzung wird im Iran bis heute bezahlt – von einer Bevölkerung, die damals hoffte, Freiheit zu gewinnen, und stattdessen eine unfassbare Form der Unfreiheit erhielt.
Opposition: Warum gerade Reza Pahlavi?
Für viele Iranerinnen und Iraner – besonders in der Diaspora – steht Reza Pahlavi als letzter Sohn von Schah Mohammad Reza Pahlavi für eine säkular-demokratische Alternative zur Islamischen Republik. Er fordert keine Restauration der Monarchie, sondern wirbt für eine freie Volksabstimmung über die künftige Staatsform. Sicherlich hätte er aber nichts dagegen, würden sich die Iraner wieder für eine Monarchie entscheiden. Der links-rot-grüne Komplex in Deutschland würde entweder in eine Schockstarre fallen oder bis zur Erschöpfung toben.

Pahlavi spricht regelmäßig vor westlichen Parlamenten, Thinktanks und Medien. Damit ist er die bekannteste iranische Oppositionsstimme im Westen und fungiert faktisch als Ansprechpartner für Regierungen, die nach einer post-theokratischen Perspektive suchen.
Die zentrale, im Ausland lebende Oppositionsfigur des Iran ist heute eindeutig Reza Pahlavi. Er ist der Sohn des letzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi und lebt seit der Revolution von 1979 im Exil – überwiegend in den USA. Seine Bedeutung speist sich weniger aus formaler Macht als aus Symbolik, internationaler Sichtbarkeit und Vernetzungsfähigkeit.
Für viele Iranerinnen und Iraner – besonders in der Diaspora – steht Reza Pahlavi für eine säkular-demokratische Alternative zur Islamischen Republik. Er fordert keine Restauration der Monarchie, sondern wirbt für eine freie Volksabstimmung über die künftige Staatsform.
Er spricht regelmäßig vor westlichen Parlamenten, Thinktanks und Medien. Damit ist er die bekannteste iranische Oppositionsstimme im Westen und fungiert faktisch als Ansprechpartner für Regierungen, die nach einer post-theokratischen Perspektive suchen. Reza Pahlavi versteht sich als Koordinator verschiedener Oppositionsströmungen: säkulare Republikaner, Monarchisten, Frauenrechts- und Jugendbewegungen. Gerade diese überparteiliche Rolle verschafft ihm Gewicht.
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