
18.12.2025
Berlin hat es wieder geschafft. Während andere Städte schnöde Probleme wie Wohnungsnot und kaputte Schulen bearbeiten, geht die Hauptstadt mutig voran und schafft Raum für das Wesentliche: einen neuen offiziellen Gedenktag. Der Name ist ebenso sperrig wie zeitgemäß:
„Tag zur Sensibilisierung für die strukturelle Benachteiligung von Muslimen im urbanen Raum“.
Kurzform in der Verwaltung: TzSfdsBvMiuR – ausgesprochen wird er nicht, das wäre zu kompliziert.
Ein Feiertag mit Haltung
Der neue Gedenktag soll jährlich begangen werden, vorzugsweise an einem Wochentag, um maximale Betroffenheit bei voller Lohnfortzahlung zu gewährleisten. In Berlin nennt man das „gelebte Solidarität“. Behörden bleiben geschlossen, Schulen thematisieren das Gefühl, benachteiligt zu sein, und die BVG fährt mit Sonderdurchsagen:
„Liebe Fahrgäste, dieser Zug verspätet sich heute aus Respekt vor allen Benachteiligten.“
Benachteiligung – aber bitte differenziert
Offiziell geht es natürlich nicht um reale Diskriminierung. Die gibt es ja ohnehin schon genug und die wäre anstrengend zu bekämpfen. Nein, es geht um gefühlte Benachteiligung, ein Berliner Exportschlager, der bereits erfolgreich in vielen politischen Debatten eingesetzt wird. Wer entscheidet, wer benachteiligt ist? Ganz einfach: Wer sich benachteiligt fühlt, ist es. Wer widerspricht, ist automatisch ein Rassist.
Symbolpolitik in Reinform
Als Kritiker merke ich an, dass ein weiterer Gedenktag keine einzige Wohnung baut, keine Schule saniert, den Müll nicht beseitigt, die Clan-Kriminalität nicht beseitigt, die Integration nicht verbessert. Doch das greift zu kurz. Denn der Tag hat eine andere Funktion: Er signalisiert moralische Überlegenheit ohne lästige Umsetzung. Ein klassisches Berliner Erfolgsmodell.
Integration gilt weiterhin als sensibles Thema, das man am besten meidet, um niemanden zu irritieren. Stattdessen setzt man auf Plakate, Podiumsdiskussionen und Leitfäden mit Titeln wie:
„Vielfalt aushalten – aber bitte geräuschlos.“
Berlin denkt weiter
Bereits in Planung sind weitere Gedenktage:
- Tag der strukturell überforderten Bezirksämter
- Tag der diskriminierten Radfahrer im SUV-Umfeld
- Tag der emotional belasteten Hauptstadtjournalisten
Langfristig soll jeder Kalendertag mindestens einer Gruppe gewidmet sein. Weihnachten wird dann voraussichtlich umbenannt in: „Fest der religionsneutralen Winterzusammenkunft mit optionalem Tannenbezug“.
Der neue Berliner Gedenktag ist ein Meisterwerk moderner Politik: Viel Haltung, wenig Wirkung, null Risiko. Probleme lösen ist kompliziert. Ein Gedenktag ist einfach. Und Berlin bleibt sich treu: Arm an Lösungen, reich an Symbolen. Wer redet schon über die 67 bis 69 Milliarden Euro an Berliner Schulden. Das sind sowieso alles rentierliche Schulden, wie es einmal ein Neumarkt-Sankt Veiter Stadtrat ausdrückte. Alles andere wäre ein „Kaputtsparen“. Und wer sonst, wenn nicht die Stadt, soll schließlich für die Investitionen sorgen…
Berlin hat komplett fertig. Die Stadt mit ihrer woken Führung ist eine einzige Blamage.
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