
Einen Pluspunkt verdient sich, wer errät, wo diese Kirche steht. Tipp: Katholisch.
Morgen ist Feiertag. Mariä Himmelfahrt. Ich kenne so einige grammatikalische Konstruktionen. Ich wusste aber nicht, dass Mariä der Genitiv von Maria ist, eine veraltete historische Form. Bei mir würde es „Marias Himmelfahrt“ heißen. Aus und Amen.
Natürlich nehmen wir in Oberbayern diesen katholischen Feiertag gerne mit, so wie die Deutschen zwar einerseits massenhaft aus der römisch-katholischen Kirche austreten, andererseits alle katholischen und bezahlten Feiertage aber sehr gern akzeptieren.
Austritte in den letzten Jahren.
Jahr Anzahl Austritte
2019 ca. 272.800
2020 ca. 221.400
2021 ca. 359.300
2022 ca. 522.800
2023 ca. 402.700
2024 ca. 321.600
Bei etwas unter 7,5 Millionen Kirchensteuer zahlenden Menschen war die über zwei Millionen Kirchenaustritte in den letzten fünf Jahren schon ein erheblicher Schwund. Wobei man wissen muss, dass nur derjenige Kirchensteuer zahlt, der Lohn- bzw. Einkommenssteuer zahlt. Wenn also Rentner austreten, dann relativiert sich die Sache finanziell. Jedenfalls müssen Menschen, die aus den zwei großen deutschen Kirchen austreten und sich damit aus einem Solidarprinzip verabschieden, auch die Konsequenzen tragen. Deswegen enthält mein Regierungsprogramm Teil XII substantielle Änderungen.
Entscheidung
- Wer formal zur römisch-katholischen Kirche gehört und seine Kirchensteuern bezahlt, hat arbeitsrechtlich Anrecht auf bezahlte katholische Feiertage.
- Wer formal zur evangelisch-lutherischen Kirche gehört und brav seine Kirchensteuern bezahlt, hat arbeitsrechtlich Anrecht auf bezahlte evangelische Feiertage.
- Wer keinerlei Kirchensteuern zahlt, hat überhaupt kein Anrecht auf Bezahlung für kirchliche Feiertage. Wenn die Firmen zu Ostern, zu Pfingsten oder zu Weihnachten zusperren, dann müssen die atheistischen Zeitgenossen sieben Tage Urlaub nehmen: Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag, die beiden Feiertage an Weihnachten, dazu noch Fronleichnam und Allerheiligen in Bayern. Das senkt den frei verfügbaren Jahresurlaub für unsere Zeitgenossen von 30 auf 23 Tage, aber: In for a penny, in for a pound (Wer A sagt, muss auch B sagen).
- Was machen wir mit anderen Glaubensrichtungen? Sie gehören nicht zum Abendland und fallen unter Punkt 3. Das mit dem Abendland sieht der Gesetzgeber jetzt schon so. Ein Entfall der bezahlten Feiertage ist somit nur der konsequente nächste Schritt.
Flickenteppich eliminieren.
So einfach wäre es, den bayerischen Flickenteppich zu eliminieren. Es wäre nicht mehr entscheidend, ob in einer bayerischen Stadt mehr katholische oder mehr evangelische Menschen wohnen. Wenn in einer bayerischen Kleinstadt mit 6.500 Einwohnern drei Kirchensteuer zahlende Katholiken wohnen und zwei Evangelische, dann profitieren alle Arbeitnehmer dieser Stadt von diesem Verhältnis, sagen Danke und haben morgen Feiertag. Wie witzig und wie falsch ist denn so etwas?
Ich möchte auch nicht wissen, wieviele Menschen aus der Kirche austreten und zu Weihnachten mit Kindern und Enkeln beim Krippenspiel erscheinen, so als sei nichts gewesen. Auch interessant wird es, wenn die Familie beim Pfarrer eine Trauerfeier anmeldet und erst bei dieser Gelegenheit erfährt, dass der Verstorbene schon vor 25 Jahren aus der Kirche ausgetreten ist.
Ich als Pfarrer würde mit betrübtem Blick meinen Laptop mit einer kleinen vorbereiteten xlsx-Liste öffnen, das Kirchenaustrittsdatum des Verstorbenen in Zelle a1 eintippen, mir genüsslich in Zelle b1 den Nachzahlungsbetrag anschauen, meinen Laptop Richtung Familie umdrehen und darum bitten, den Betrag mal eben schnell zu paypalen. Eine Nachberechnung könne man dann ja immer noch anstrengen. Aber der Gestorbene müsse ja nun einmal – vom Herren gesegnet – unter die Erde. Und weil das Kirchenamt in solchen Fällen doch bis zu drei Monaten für die korrekte Berechnung benötige, sei die Vorabzahlung doch sicherlich kein Problem, oder?
Markus Lanz würde jetzt zusammenfassend hinzufügen: Hier – liebe Angehörige – müssen Sie sich auch ein Stück ehrlich machen.
Wie ehrlich bin ich zu mir selbst? Ich bin ein schlechter Katholik, werde für immer meine Kirchensteuer zahlen und sehe es als eine Mischung aus kindlicher Prägung, Tradition und karitativer Unterstützung. Ich bin außerdem überzeugt davon, dass Gott schon mehrmals seine schützende Hand über mich gehalten hat.
Ein Kirchenaustritt kommt nicht in Frage.
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Kirchensprache ist immer noch Latein. Daher auch der Lateinische Genitiv von Maria.
Assumptio Beatae Mariae Virginis – Aufnahme der seligen Jungfrau Maria.
Das lateinische Erbe ist in der ehem. Provinz Raetien eben immer noch stark vertreten.
Muß ein Zugereister nicht verstehen.
Genauso wie es bei uns „Das Oberbayerische Volksblatt“ heißt und nicht „der“ OVB.
es gibt im Latein aber den Buchstaben ä nicht
Richtig. Und im klassischen Latein wurde das ae auch nicht ä gesprochen sondern so wie es da steht. Den Buchstaben K gab es so gut wie gar nicht. Das C wurde k gesprochen. Hat sich im Lauf der Zeit durch germanische Einflüße zu z und s gewandelt. Caesar war ursprünglich der „Kaesar“. Heute heißt er leider Zäsar. Den frühen fränkischen Stämmen sei es nicht gedankt.
Kurz und gut: die richtige Schreibweise ist eigentlich „Mariae“, was sich so fast nicht sprechen lässt. Es kommt dann eben als Maria oder Mariä daher. Und weil wir da nicht so pingelig sind ist alles richtig. Ganz ohne Äpfel und Amen 😉