
Die Zeit vergeht, aber das Bild des Hergangs wird nicht klarer. Im Gegenteil. Die widersprüchlichen Aussagen machen mir zu schaffen. Die Presse hat sich in den letzten Tagen schön was zusammengereimt. Es stimmte so gut wie nichts.
Meldung: Kraus habe nach dem Steinschlag mit Dahlmeier kommuniziert.
Meldung: Der Fels sei riesig und keine Kommunikation mehr möglich gewesen.
Meldung: Sie sei sofort ins Tal abgestiegen um Hilfe zu holen. Ich hatte das in Zweifel gezogen, weil man das eigentlich nicht tut. Man versucht immer den Partner noch zu retten, es sei denn, man ist sich sicher dass er tot ist. Aber die Welt war ja auch 52 Stunden nach dem Unglück noch in der Ungewissheit, ob sie lebt oder tot ist. Da war aber Krauss schon längst zurück in der Zivilisation und konnte den Hergang eigentlich erklären.
Meldung: Sie sei bis in die Nachtstunden oben geblieben, um Dahlmeier zu bergen. Halte ich theoretisch für möglich, obwohl es da oben in der Dunkelheit höchst gefährlich ist. Die Nachricht hat sich als falsch erwiesen.
Meldung: Krauss hätte sofort einen Notruf abgesetzt. Wie kann man sofort einen Notruf absetzen? Mit Sprechfunk geht das in dem abgelegenen Gebiet nicht. Mobilfunk funktioniert auch nicht. Was aber grundsätzlich funktioniert, ist das Absetzen eines Notrufes über ein aktuelles iPhone16 per Satellit. Aber selbst diese einfach Info, wann und wie Krauss den Notruf abgesetzt hat, gelangt nicht bis zu uns. Ich habe aber auch recherchiert, dass ausgerechnet in Pakistan der Notruf über Satellit per iPhone bzw. die Satellitentelefonie eben nicht funktioniert. Sie scheitert an fehlenden Genehmigungen. „Sofort“ einen Notruf abgesetzt, stimmte auch nicht, weil technisch nicht möglich.
Erst hieß es: Vom Steinschlag getroffen und abgestürzt. Nun heißt es: Vom Stein getroffen und gegen die Wand geschleudert.
Erst hieß es: Bei einem Abseilvorgang vom Stein getroffen. Wenn aber ein Seil im Spiel war, was ist dann passiert? Ist das Seil gerissen und Dahlmeier abgestürzt, wie es zu erst hieß? Oder blieb das Seil intakt, dann würde sie jetzt noch tot im Seil hängen. Dazu würde die Meldung passen, Dahlmeier sei gegen eine Wand geschleudert worden. Denn soweit kenne ich mich aus, dass die Technik heutzutage so funktioniert, dass ich durchaus besinnungslos sein kann und dennoch fest im Seil hänge, auch wenn es mich gegen eine Wand schleudert. Das wäre aber natürlich keine Position, wo man sie für immer lassen kann, gemäß ihrem letzten Willen. Ich tippe darauf, dass sie noch geborgen wird. Denn wenn sie da oben im Seil hängt – gesichert durch eine Eissanduhr, dann könnte diese Eissanduhr bei höheren Temperaturen ihre Wirkung verlieren. Dahlmeier könnte irgendwann noch abstürzen. Das ist jetzt echt keine gute Aussicht. Ich bin der Ansicht, dass sie heimgeholt werden sollte.
Das Interview von Thomas Huber und Marina Krauss bringt wenig Klarheit. Wir lernen aber etwas eben über jene Eissanduhren. Das ist eine spezielle Technik, um sich im Eis abzuseilen, ohne Metall am Berg lassen zu müssen. Man bohrt zwei Löcher schräg ins Eis, die sich im Inneren treffen. Dann fädelt man eine Reepschnur durch den Tunnel und durch die Schlinge hindurch wiederum zieht man das Seil. Mit einem einfachen Abseilachter steigt man ab. Zumindest war der Abseilachter in meiner Sturm- und Drangzeit das Mittel der Wahl. Beim nächsten Stand angekommen und gesichert, zieht man das Seil an einem Ende zu sich herunter. Die Reepschnur bleibt logischerweise als Andenken am Berg zurück. Bei jedem Abseilakt verliert man eine Reepschnur.
Einen Abseilachter kann Dahlmeier aber nicht benutzt haben, denn das gute Stück blockiert nicht selbständig. Mit der rechten Hand musste man beim Abseilen beide Seile in der rechten Hand haben und straffziehen, wenn man blockieren möchte. Das klappt aber nicht, wenn man gerade von einem Stein am Kopf getroffen wurde. Dahlmeier muss also einen Tuber oder Halbautomaten genutzt haben, um nicht herunterzurutschen. Und durchgerutscht ist sie nicht. Denn offensichtlich konnte Krauss die bewegungslose Dahlmeier sehen. Das wäre unmöglich gewesen, wenn Dahlmeier die Eiswand heruntergestürzt wäre. Denn dann wäre sie Hunderte Meter tiefer zum Liegen gekommen.
Mittwoch 14.33 Uhr
Jetzt ist es leider eine traurige Gewissheit. Laura Dahlmeier ist tot. Das ist eine sehr traurige Nachricht.
https://www.sueddeutsche.de/sport/dahlmeier-tod-bergsteigen-pakistan-steinschlag-li.3291576
Die Zeit hat noch ein paar interessante Aspekte. Marina Krauss hätte nach dem Unglück noch stundenlang versucht, Laura Dahlmeier zu bergen, bevor sie in den Nachtstunden den Rückweg angetreten habe. Diese Info ist das fehlende Puzzleteil. Ich hatte mich schon gefragt, wie man nach dem Unglück richtig reagiert? Auch ich hätte mich zunächst geweigert, eine Verletzte einfach mit der Begründung zurückzulassen, man hole Hilfe.
https://www.zeit.de/sport/2025-07/ex-biathletin-laura-dahlmeier-ist-tot
Mittwoch 14.00 Uhr
Wir wissen jetzt, dass Krauss mit Dahlmeier nach dem Unglück kommunizieren konnte. Den Steinschlag selbst hat Dahlmeier somit überlebt. Sauerstoff hatte Dahlmeier wohl auch dabei. Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer. Wenn es ihr gelingt, sich in der Kälte irgendwie zu bewegen, um sich warm zu halten, dann kann man auch bei Minus acht Grad eine Nacht durchstehen. Wenn sie dann auch noch an ihre Rettungsdecke gekommen ist, schaut es noch besser aus. Aber es sind auch schon 59 Stunden seit dem Unglück vergangen. Man, ist das bitter.
Dienstag, 29. Juli 2025, Sport: Laura Dahlmeier in Pakistan verunglückt
Beim Anstieg auf den Laila Peak (6.069m) ist die bekannte ehemalige Biathletin Laura Dahlmeier schwer verunglückt. Sie sei von einem Steinschlag erfasst. worden und mindestens schwer verletzt. Ich gehe vom schlimmsten aller möglichen Szenarien aus. Der Laila Peak ist ein überaus markanter Gipfel im Karakorum. Peak = Spitze, das kann man hier wörtlich nehmen. Überlegen wir kurz, was “Steinschlag” bedeutet. Dahlmeier kann von einem einzelnen Stein getroffen und zu Boden gegangen sein. Sie kann durch die Wucht des Steines oder des Gerölls aber auch nach unten gerissen worden sein. Das Unglück geschah auf etwa 5.700m Höhe. In dieser Höhe ist der Anstieg auf den Gipfel extrem steil, aber man hängt offensichtlich nicht in einer Wand. Denn dann hätte man sich gegenseitig gesichert. Wäre Dahlmeier in dieser Situation von einem Stein getroffen worden, hätte sie hilflos in der Wand gehangen. Ihre Seilpartnerin hätte sicherlich große Schwierigkeiten gehabt, Dahlmeier wieder an den Fuß der Felswand zu bekommen. Es muss vielmehr so gewesen sein, dass beide für sich gingen. Dahlmeier wurde getroffen und wurde eine so große Strecke nach unten gerissen, dass ihre Partnerin keine Chance hatte, den Zustand der verletzten Dahlmeier zu checken. Anders ist es nicht erklärbar, dass es noch keinerlei Aussagen ihrer Seilpartnerin Marina Krauss gibt. Wäre Dahlmeier – von einem Stein getroffen – neben Krauss zu Boden gegangen, wüssten wir bereits, ob sie noch lebt, oder tot ist. Sinnieren wir über die theoretische Option, dass Dahlmeier neben Krauss zu Boden ging. Was macht man als Seilpartner mit einer Schwerverletzten? Allein ins Tal bringen ist in dieser Höhe unmöglich. Bei ihr bleiben, bedeutet aus zwei Gründen Lebensgefahr für sich selbst: Weitere Steinschläge und die hereinbrechende Dunkelheit bei Minusgraden. Egal, in welchem Zustand Dahlmeier war – Krauss musste vom Berg runter, schon allein deshalb, um die Rettungsaktion zu starten. Dahlmeier fehlte das Quäntchen Glück, im entscheidenden Moment drei Meter weiter links oder rechts oder weiter oben oder weiter unten zu stehen. Wer auf dieser Höhe unterwegs ist, hat den Tod immer an seiner Seite.
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In der allerersten Nachricht hieß es Martina hätte ein komisches Geräusch gehört, dann Stille. Sie war noch 8 Stunden, also bis 23 uhr vor Ort, hatte keinen Sichtkontakt, auch kein Sprachkontakt, konnte nicht in richting Laura steigen. Von hängen im Seil war da keine Rede. Nachts um 23 Uhr !!! (nach 8 Stunden) stieg sie in das nächste Basislager ab (stellts ich auch hier die Frage was gefährlicher ist, ein Steinschlag der acht Stunden anhält? oder Abstieg in tiefster Nacht).
Am nächsten Tag war es dann plötzlich ein Steinschlag in den Medien, am daraufolgenden Tag ein großer Stein. Wieder ein Tag später ein sehr großer Stein direkt auf dem Kopf. Meiner Meinung nach alles unglaubwürdig.
Aus dem Hubschrauber aus wurde Laura dann im Schnee liegend gesehen. So wie sie da lag eindeutig Tod. Klar kann man aus dem Flugzeug nicht sehen ob sie Tod ist, ist sie jedoch seeehr weit und tief abgestürzt, kann man davon ausgehen.
Aufällig auch für mich, im Interview bewegt Martina die Hände nicht während der Aussage des großen Steines. Passt alles nicht…. wahrscheinlich können wir alle froh sein das wir nicht wissen was wirklich passiert ist…!
Ich finde, das viele Schweigen von Huber in dieser ganzen Geschichte wirft Fragen auf. Gerade als erfahrener Alpinist, der die Risiken und Abläufe in Extremsituationen bestens kennt, hätte ich von ihm mehr Klarheit oder zumindest ein paar einordnende Worte erwartet. Stattdessen bleibt vieles im Dunkeln – und mit jeder neuen widersprüchlichen Aussage entstehen mehr Ungereimtheiten. Dass Krauss nach dem Vorfall alleine abgestiegen sein soll, ohne klare Kommunikation, erscheint seltsam. Und dass Huber sich dazu kaum äußert, obwohl er mit Dahlmeier noch kurz zuvor in Kontakt stand, macht es nicht einfacher. In so einer Extremsituation zählt jede Minute – und jede Wahrheit.