
Der ovb-Zeitungsartikel ist ein reiner Abklatsch des Artikels auf der Neumarkter Homepage, der auch schon über die App propagiert wurde.
Der Erkenntnisgewinn für mich als ovb-Leser beträgt somit exakt 0%. Aber: Große Zeitungen machen es sich genauso einfach. Sie übernehmen automatisiert die dpa-Meldungen. Der ovb übernimmt halt die Berichte von der Stadt-Homepage. Wenn aber hinter einem ovb-Artikel überhaupt gar keine eigene Recherche- bzw. Denkleistung steckt, dann sollte die Signatur darunter ehrlicherweise aber auch nicht “nz” heißen, sondern “stadt”.
Dabei sind die Informationen gar nicht so uninteressant. Um 530 Adressen mit 680 Haushalten und Betrieben anzuschließen, braucht es 100km Rohrleitungsbau und 400km Glasfaserkabel, was Kosten von sieben Millionen Euro verursacht.
Glasfaser versus 5G
Die Frage, ob man sich angesichts des 5G-Ausbaus den ganzen Glasfaser-Ausbau nicht eigentlich sparen könnte, mag berechtigt sein, doch gibt es einige Argumente, die im häuslichen Bereich weiterhin stark für Glasfaser sprechen.
Die Lösungsformel heißt: Dedizierte Bandbreite bei Glasfaser aber shared Bandbreite bei 5G.
Ich mache es an unserem Stadtplatz fest. Nehmen wir an, dass alle Anwohner keinen DSL-Anschluss mehr hätten und voll auf 5G von Vodafone setzen würden. Wir nehmen weiterhin an, dass – üblicherweise – der Neumarkter Stadtplatz samt Umgebung nur von einem Vodafone-Sendemast abgedeckt wird. Alle sind mit dem schnellen Internet zufrieden. Nun findet aber – wie vorgestern – auf dem Stadtplatz eine Veranstaltung mit Hunderten von zusätzlichen Menschen statt, die alle ihre Mobiltelefone dabeihaben.
Bandbreite Shared versus Dediziert.
Jetzt müssen sich die Anwohner und die Gäste die zur Verfügung stehende Bandbreite “sharen”. Die für jeden Einzelnen zur Verfügung stehende Bandbreite minimiert sich, weil man den Kuchen in immer kleinere Stücke zerteilen muss. Wenn dann noch eine Firma einen großen Upload oder Download startet, macht das Surfen oder das Homeoffice eventuell keinen Spaß mehr. Das Internet muss aber Spaß machen, denn Filme müssen ruckelfrei laufen. Das Homeoffice muss performant funktionieren.
Und das ist der Unterschied zur Glasfaser. Wenn ich einen Tarif mit 1.000 Mbit/s buche, dann ist diese Bandbreite garantiert. Die Garantie bezieht sich hierbei auf die Verbindung zwischen dem heimischen Fritzbox-Router und dem PoP (Point of Presence) des Anbieters. Das eigentliche Internet hat dann wiederum seine eigenen Geschwindigkeitsgesetze.
5G kommt auch nicht besonders gut durch Wände hindurch. Glasfaser ist somit state of the art, die beste Option.
Zurück zum Zeitungsartikel
Zumindest hat man ein geringfügig anderes Bild genommen, während man sich beim Bericht auf der Stadtseite über die möglichen Bandbreiten nicht ganz einig ist. Einmal sind es 2.000 Mbit/s, etwas später sind es im Text dann 1.000 Mbit/s. Wie schaut es wirklich aus? Vereinzelte Anbieter können Bandbreiten bis 10.000 Mbit/s anbieten. Die Telekom bietet bis zu 2.000 Mbit/s an. Mir erschließt sich (noch) nicht, wofür man privat bzw. für das Homeoffice eine derartige Bandbreite benötigen könnte. Aber vielleicht gibt es ja demnächst eine Revolution bei der Qualität von Fernsehbildern mit entsprechend benötigter Bandbreite.
Freilich sind diese superhohen Bandbreiten auch für die Zukunft ausgerichtet. Der Bedarf wird steigen. IoT (Internet of Things) wird dazu führen, dass alles, was elektrischen Strom nutzt, auch internetfähig sein wird.
Wenn ich mir überlege, dass ich im Moment mit 23Mbit/s ganz gut zurechtkomme (inkl. Magenta-Internet-TV, sämtlichen Apps und bis zu 15 internetfähigen Geräten), dann mag man sich die Möglichkeiten einer neunzigfachen Bandbreite bisher kaum vorstellen.
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